Zehn Tage auf "Reporting Tour" in Washington, New York und San Francisco. Eva Zelechowski bloggt für die Wiener Zeitung. - © WZ Online / Irma Tulek
Zehn Tage auf "Reporting Tour" in Washington, New York und San Francisco. Eva Zelechowski bloggt für die Wiener Zeitung. - © WZ Online / Irma Tulek

Washington. "Ich bin nicht so beunruhigt wie andere Leute." Trumps Amtsübernahme habe zwar alles ein wenig durcheinander gewirbelt, alles sei chaotisch und viele Herausforderungen würden auf uns warten.

"Aber es ist falsch, zu denken, dass es in Bezug auf fake news die guten alten Zeiten gab", sagt William Kristol. Der Zeitungsveteran gründete vor über 20 Jahren "The Weekly Standard", eine konservative Wochenzeitung
Früher, in den Siebzigern, gab es nur drei Fernsehsender und vier Zeitungen US-weit. Es war sehr schwierig, Fakten zu überprüfen und es gab sehr viele gegenseitige Meinungen. Heute geht man online und kann die Seriosität von Journalismus aus etlichen Quellenrichtungen selbst überprüfen. Es gibt linke, rechte, konservative, liberale Medien, man könne sich aus allen politischen Meinungen und Berichten selbst eine Meinung bilden.


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Es gebe gute Gründe, sich heute über den Journalismus und die starke Verbreitung von Falschnachrichten Sorgen zu machen. Aber man wenn man vergleicht, wie schwierig die Informationsbeschaffung in den 90ern zur Zeit des Kollapses der Sowietunion war und im Vergleich dazu des Arabischen Frühlings, liefert das Internet zahlreiche Vorteile. Kristol erweckt den Eindruck, einen weit optimistischeren Blick auf die mediale Entwicklung in den USA hat. In Zeiten von Hysterie und einem riesigen Vertrauensverlust, den Journalisten erleiden mussten, tun die ruhigen Worte eines alten Hasen ganz gut. Die Unaufgeregtheit, mit der er im Gegensatz zu vielen anderen in der Medienlandschaft keinen Untergang derselben sieht, darf ruhig auf ein paar andere überschwappen.

"Geht es um die US-Politik, sind derzeit viele, die keine Trump-Fans sind, unglücklich", sagt Kristol. Donald Trump sei weder die Zukunft Amerikas, noch würde er eine Transformation einläuten. "Es war eine Art Unfall, dass Trump Präsident geworden ist. Er hatte Glück, dass er Bush als ersten Gegner im Wahlkampf hatte. Für mich war die Wahl 2016 insgesamt sehr enttäuschend und ein Armutszeugnis für die Demokratie in den USA", meint William Kristol.

Innen- wie außenpolitisch werde es in den kommenden 40 Jahren herausfordernd. Der "Weekly Standard"-Gründer ist allerdings über die Innenpolitik weniger besorgt als um das Ausland. Der Grund: Die Institutionen und Medien sind sehr stark, viele Menschen kämpfen darum, dass sie nicht verstaatlicht werden, um die Kontrolle der Regierung möglichst klein zu halten. "Ich glaube auch, dass die institutionelle Infrastruktur Trumps Amtszeit überstehen kann", so Kristol.

Bei der Auslandspolitik zeigt sich auch bei ihm ein wenig Pessimismus. Da haben US-Präsident und das Weiße Haus mehr Macht und "wenn du Fehler machst, ist es viel komplexer eine Entscheidung zu revidieren, ob bei Atomkraft oder in diplomatischen Beziehungen." Wenn sich Donald Trump weiterhin derart Mexiko-feindlich verhält, wisse man nicht, welche Auswirkungen das in Mexiko haben würde. In außenpolitischen Entscheidungen können der Regierung nicht so viele Institutionen entgegentreten, also könne er viel mehr Schaden anrichten.