Horn. Der Tod des 19-jährigen Rekruten in Horn dürfte die Folge eines erbarmungslosen Drills gewesen sein. Diesen Verdacht legen zumindest der Obduktionsbericht der Staatsanwaltschaft Krems und Augenzeugenberichte nahe. Der junge Mann sei an einer Überhitzung des Körpers gestorben, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Der Rekrut, der als sportlich beschrieben wird und in Wien Wasserballspieler war, hatte während eines Stationsmarsches in brütender Hitze über Schwindel geklagt. Er sei zuerst von Sanitätern versorgt worden und habe auf dem Weg in die Kaserne Horn das Bewusstsein verloren. Der verständigte Notarzt lieferte ihn ins Spital Horn ein, wo er dann verstarb, hieß es in einer Stellungnahme des Bundesheers.

In einer ersten Reaktion hatte das Bundesheer noch beschwichtigt: Aufgrund der vorherrschenden Temperaturen sei der Dienstplan abgeändert worden, die Übung habe weitgehend bei reduziertem Tempo im Wald und bei Schatten stattgefunden, außerdem habe es zusätzliche Pausen und Extra-Rationen an Obst und Wasser gegeben. Nun heißt es, es werde "keine Toleranz" bei Fehlverhalten geben. Dies allerdings erst nach Berichten über Quälmethoden in der betroffenen Einheit.

"Ich werde euch wetzen,
bis ihr Blut speibts"

Der Vater eines Kameraden des Verstorbenen hat in der Wochenzeitung "Falter" ein anderes Bild gezeichnet. Es habe schon vorher klare Anzeichen von Schwäche gegeben, was die Vorgesetzten als Simulieren abgetan haben. Ein Rekrut, der während eines Marsches zu torkeln begonnen habe, habe diesen nicht unterbrechen dürfen. Mehr als 20 Männer sollen dabei in Ohnmacht gefallen sein. Nun berichtet die Staatsanwaltschaft, dass der 19-Jährige an Überhitzung gestorben sei. Im Bericht des Bundesheers hatte es geheißen, dass der Arzt eine bakterielle Infektion als Todesursache vermutete, dem widerspricht die Staatsanwaltschaft in ihrem Bericht.

"Das Österreichische Bundesheer zeigt keine Toleranz bei Bekanntwerden von Missständen", erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Es gebe ausreichend Gelegenheit zur Beschwerde, sogar anonym. Doch aufgrund der leichten Identifizierbarkeit und aus Angst vor dem Zusammenhalt der Berufskader wird auf dieses Mittel von Wehrpflichtigen selten zurückgegriffen. Die eingebrachten Beschwerden lassen vermuten, dass das "Schleifen" wie das Quälen auch genannt wird, Usus beim Bundesheer ist und in diesem Fall eben tödlich endete. Die parlamentarische Bundesheer-Kommission führt an, dass ein Rekrut 2016 gezwungen wurde, nach einem angeblichen Fehler ein 34,5 Kilo schweres Baumstück eine Dreiviertelstunde mitzuschleppen. Außerdem wurden, auch das ist im Bericht nachzulesen, im Zuge einer Übung bei der Diensteinteilung der Wachsoldaten die Temperaturen vom minus 20 Grad nicht berücksichtigt, indem man die Dienstzeit verkürzt. Die Beschwerden des Jahres 2015 haben es ebenfalls in sich. So hat ein Gruppenkommandant beim Schießdienst gegen die Mündungen der Waffen getreten, ein Rekrut erlitt durch den Schlag auf das Zielfernrohr ein Cut auf der Stirn.