Der Bericht 2012 wirft auch kein gutes Licht auf Österreichs Militär: Im Zuge der Grundwehrdiener-Ausbildung tätigten Unteroffiziere Aussagen wie: "Ich werde euch wetzen, bis ihr Blut speibts". Weil ein Ausbilder nicht mit der WC-Reinigung zufrieden war, musste der "schuldige" Rekrut gemeinsam mit einem zweiten den gesamten Sanitärbereich neu putzen, alle anderen Rekruten mussten in der Zwischenzeit mit dem schweren Kampfanzug 30 bis 45 Minuten einen Hügel hinauf- und hinunterlaufen. Weil ein Grundwehrdiener einen Oberst irrtümlich als "Hauptmann" ansprach, musste der Rekrut zwei Stunden lang Gräben ausheben. Im Bericht 2010 ist zu lesen, dass ein Rekrut, der das Maschinengewehr nicht zur Zufriedenheit seines Ausbilders bediente, mit dem "Brechen der Finger" bedroht wurde und "ich hau dir die Waffe auf den Schädel". Außerdem ist im Bericht angeführt, dass Rekruten wegen angeblichen Fehlverhaltens drei Minuten in Grundstellung ausharren und sich von Gelsen stechen lassen mussten. Wenn sich jemand bewegte, wurde die Uhr von Neuem eingestellt. Insgesamt waren die Rekruten 20 Minuten den Insekten ausgesetzt.

Bei einem Hintergrundgespräch zum Todesfall in Horn erklärten Heeresangehörige am Dienstagabend, dass es nach etwa drei von 15 geplanten Kilometern "in moderater Marschgeschwindigkeit" zu dem Vorfall gekommen sei. Zwei Kommissionen seien eingerichtet worden: eine, unter Leitung von Hans Rathgeb, Präsident des Landesgerichts Salzburg und Brigadier der Miliz, soll den Vorfall an sich klären. Eine Sonderkommission soll die Ausbildungsmethoden an sich überprüfen. Man sehe aber "keine Indizien", dass Fehlhandlungen bei der Versorgung des 19-Jährigen gesetzt wurden. Man solle "keine Vorverurteilungen vornehmen". Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil versprach eine lückenlose und transparente Aufklärung des Falles.

"Motivieren, zu kämpfen
und zu töten"

Stellt sich dennoch die Frage, inwiefern systematische Quälereien in Armeen des 21. Jahrhunderts Platz haben. Für die Politologin Saskia Stachowitsch haben Misshandlungen und Demütigungen im Militär eine spezielle Funktion: Man trenne damit die jungen Männer von ihrem zivilen Leben und verlange Grenzüberschreitungen: "Im Endeffekt will man sie motivieren, zu töten und zu kämpfen, Gewalt auszuüben", so die Politologin zur "Wiener Zeitung". Es gebe die Annahme, dass die Quälerei "die Grundlage ist, damit eine Armee überhaupt funktionieren kann". Auf diese Weise werde aus Zivilisten Krieger gemacht. In Horn endete das offenbar mit dem Ende eines jungen Lebens.