Wie Schikane beim österreichischen Bundesheer funktioniert, erzählt der junge österreichische Autor Jakob Pretterhofer in seinem im März 2017 im Luftschacht-Verlag erschienenen Roman "Tagwache".

Auch wenn es sich nicht um eine Reportage, sondern eben einen Roman handelt, sind Mechanismen und Gruppendynamik der Schikane exakt beschrieben. In "Tagwache" ist es der Rekrut Lampl, der seine ABC-Schutzmaske vergisst, wofür Ausbilder Hütter die ganze Gruppe büßen lässt. Lampl wird in der Folge von seinen Kameraden gemobbt, "hergebogen", wie einige Unteroffiziere es später nennen. Die Romanfigur Lampl wird von den Kameraden beschimpft, mit Duschgel beworfen, dann wird das Schloss seines Spindes verklebt. In der Folge werden ihm weitere Verfehlungen, die den Unmut der Vorgesetzten hervorrufen, zur Last gelegt.

Was dazu führt, dass er von einer maskierten Meute verprügelt wird. Lampl ist der Sündenbock, als ein Uniformierter in einer Tankstelle mit Platzpatronen herumschießt, wird es ihm in die Schuhe geschoben. Dazu kommen private Probleme, über allem schwebt der Selbstmord eines Rekruten im Vorjahr beim Grenzeinsatz. Lampl reagiert mit totaler Verweigerung und steht eines morgens in der Kaserne nicht mehr auf - was ihm wieder Misshandlungen durch seine Kameraden einbringt, die einmal mehr Konsequenzen befürchten müssen. Wachtmeister Hütter geht der Sache nach, die Situation eskaliert.

Die "Wiener Zeitung" hat vor dem Hintergrund des tödlichen Marsches in Horn, bei der ein Rekrut in sengender Hitze ums Leben gekommen ist, mit Autor Pretterhofer folgendes Interview geführt:

Wiener Zeitung:Sie beschreiben in ihrem Roman "Tagwache" eine Disziplinierungsstruktur, wie sie beim Bundesheer herrscht. Ihr Roman ist ja sehr autobiografisch, sehr nah an der Realität.

Jakob Pretterhofer: Er ist sehr nah an der Realität, das ist mir wichtig. Autobiografisch ist er allerdings nicht. Er ist schon auch fiktional gebaut. Mein Roman ist keine Aufarbeitung eines Traumas.

Dieser Rekrut Lampl bekommt in ihrem Roman von seinen "Kameraden" sogar einen Klobesen in den Hintern geschoben. Wie kann so etwas passieren? Wie können zivilisierte Menschen so drastisch handeln?

Das ist die große Frage. Aber man muss sich nur andere Institutionen anschauen, frühere Kinderheime etwa. Auch bei Fußball-Akademien gibt es demütigende Rituale für Spieler, die neu aufgenommen werden. Ich glaube, dass in totalen Institutionen, wenn nicht aufgepasst wird, das Bösartige aus den Menschen herauskommt.