Cecilie Hollberg muss nach wie vor gegen veraltete Strukturen kämpfen. - © Maurizio Degl‘Inoocenti/epa/picturedesk
Cecilie Hollberg muss nach wie vor gegen veraltete Strukturen kämpfen. - © Maurizio Degl‘Inoocenti/epa/picturedesk

Florenz. Als einen ihrer größten Erfolge in Florenz nennt Cecilie Hollberg das Copyright-Gerichtsurteil, dass Bilder der David-Statue nicht mehr für kommerzielle Zwecke benützt werden dürfen. Bis dahin war Michelangelos Statue auf Tassen bis Küchenschürzen überall zu finden. Diesem Beispiel könnten nun Denkmäler wie das Kolosseum folgen, sagt Hollberg und spricht daher von einem "bahnbrechenden" Urteil.

Die 1967 in Soltau geborene deutsche Historikerin und Museumsleiterin sitzt auf dem Chefsessel in einem der wichtigsten Museen Italiens und hat Michelangelos David auch ganz real, nämlich vom Fenster ihres Direktionszimmers in der Galleria Dell’Accademia aus, im Blick. Das sollte der ultimative Posten für jeden Kunstliebhaber sein. Doch es ist auch ein Kampf mit Bürokratie, schlechter Luft und Internet im Schneckentempo. Cecilie Hollberg ist die erste ausländische Direktorin der Galleria Dell’Accademia.

Unsichere Zukunft

In den vergangenen drei Jahren hat sie einen Kraftakt geleistet und große Erfolge vorzuweisen. Angefangen mit den Besucherzahlen. Seit ihrem Amtsantritt sei die Zahl der Besucher von 1,4 Millionen pro Jahr auf 1,7 Millionen gestiegen, sagte Hollberg der Deutschen Presse-Agentur. Das bringt nicht nur Vorteile, denn das Museum ist den Massen kaum gewachsen. So bildeten sich immer wieder lange Schlangen am Eingang.

Obwohl die Galleria Dell’Accademia zu den meistbesuchten Häusern in Italien gehört, seien die Arbeitsbedingungen oft "abenteuerlich". Die Klimaanlage sei 40 Jahre alt, es gebe keine Garderobe, und Hollberg habe auch das Internet modernisieren müssen. "Ich brauchte erst einmal einen Tag, um eine E-Mail zu öffnen." Zudem gebe es Probleme mit dem Dach, und sie kämpfe mit Personalmangel.

Die Ernennung Hollbergs kam in Italien einer Revolution gleich. Denn sie ist die einzige ausländische Frau an der Spitze eines italienischen staatlichen Museums. Sie und ihre männlichen ausländischen Kollegen - darunter etwa der Österreicher Peter Assmann, der noch bis November den Palazzo Ducale in Mantua leitet, ehe er zu den Tiroler Landesmuseen wechselt, oder der Deutsche Eike Schmidt, der seinen Posten an den Uffizien in Florenz im November für das Kunsthistorische Museum in Wien tauschen wird - wurden im Zuge einer Kulturreform eingesetzt. Der Innovationsschub soll die alten bürokratischen Strukturen in Italiens Museen aufbrechen.

Wie es mit ihrer eigenen Zukunft aussieht, ist unsicher. Der Vertrag läuft bis Ende 2019, was danach kommt, ist, nicht zuletzt wegen des Regierungswechsels in Italien, fraglich: "Wir wissen alle nicht, wie es weitergeht. Wir haben nichts Schriftliches in der Hand", sagte Hollberg. Ob die Deutsche ihre Arbeit in Florenz fortsetzen würde, wenn sie das Angebot bekäme, wollte sie nicht verraten. Sie habe andere Angebote, auch eine Rückkehr in die Heimat könnte sie sich vorstellen. Es gebe aber "viele Dinge, die jetzt richtig Fahrt aufgenommen haben." Da sei es auch schön, "die Früchte der Arbeit zu ernten".