Überreste eines 210 Mio. Jahre alten Plateosauriers, die das Naturhistorische Museum als Dauerleihgabe vom Sauriermuseum Frick (Schweiz) erhalten hat. - © APAweb/APA, HERBERT NEUBAUER
Überreste eines 210 Mio. Jahre alten Plateosauriers, die das Naturhistorische Museum als Dauerleihgabe vom Sauriermuseum Frick (Schweiz) erhalten hat. - © APAweb/APA, HERBERT NEUBAUER

Wien. Das Naturhistorische Museum Wien (NHM) hat einen neuen Dinosaurier vom Sauriermuseum Frick (Schweiz) als Dauerleihgabe erhalten. Es handelt sich um einen 210 Millionen Jahre alten Plateosaurier, ein rund sechs Meter langer Pflanzenfresser. Der neue Dino ist allerdings noch "verpackt" - die Knochen müssen erst freigelegt und gehärtet werden, ehe das Skelett in etwa einem Jahr ausgestellt werden kann.

"Wir freuen uns sehr über diese Dauerleihgabe", sagte NHM-Generaldirektor Christian Köberl angesichts der Tatsache, dass Originalskelette von Dinosauriern für Museen kaum mehr leistbar sind. Für das NHM ist es der erste Neuzugang eines Dinos seit rund 30 Jahren. Basis dafür sei ein "sehr gutes Verhältnis mit dem Sauriermuseum Frick", so der Leiter der Geologisch-Paläontologischen Abteilung am NHM, Mathias Harzhauser, am Dienstag bei der Präsentation des Knochenfundes. "Der einzige Haken dabei ist, wir müssen es selbst präparieren."

Im Naturhistorischen Museum ist bald ein neues Dino-Skelett zu sehen. - © APAweb / Hans Punz
Im Naturhistorischen Museum ist bald ein neues Dino-Skelett zu sehen. - © APAweb / Hans Punz

Die Gemeinde Frick im Kanton Aargau gilt als bedeutendste Fundstelle von frühen Dinosauriern aus der Trias-Zeit in Europa. In den 1970er Jahren wurden in einer Tongrube erstmals einzelne Knochen, später dann Skelette von zahlreichen Tieren gefunden. Der Neuzugang des NHM ist eines von mehreren Skeletten, die 2015 geborgen wurden.

Knochen müssen erst freigelegt werden

Die Knochen wurden dabei von den Schweizer Wissenschaftern oberflächlich freigelegt, dokumentiert, im Sediment geborgen und stückweise in Gipsmanschetten gepackt, sagte Harzhauser. "Genau so haben wir das bekommen. Das heißt wir haben eine große Menge an Gipspaketen und die sind ein bisschen so wie Überraschungseier, weil wir nicht unbedingt wissen, was drinnen ist." So könne die Qualität der Knochen unterschiedlich sein, manche seien stark zerbrochen, manchmal kleben Fragmente anderer Knochen an einem Teil.

Drei Präparatoren des NHM und zwei Kollegen vom Institut für Paläontologie der Uni Wien müssen nun Stück für Stück, Knochen für Knochen von dem Sediment befreien. Dabei kommen winzige Presslufthammer, sogenannte Stichel, zum Einsatz, kleine Hämmerchen, Spatel, Skalpelle und Pinsel. Für ein etwa 30 mal 15 Zentimeter großes Stück Oberschenkelknochen werden etwa 20 Stunden benötigt. Schließlich müssen die Knochen chemisch gehärtet werden.

Voraussichtlich in einem Jahr im Museum zu sehen 

In etwa einem Jahr hoffen die Experten, die Präparation abgeschlossen zu haben und das Skelett zusammenmontieren zu können. "Dafür dürfen die Knochen nicht angebohrt werden, sondern es muss für jeden Knochen, jedes Knöchelchen eine eigene Halterung gebaut werden", sagte Harzhauser. Schließlich soll das Skelett in voller Länge von etwa sechs Metern im Erdmittelaltersaal des NHM dem Publikum präsentiert werden.

Plateosaurier sind für Harzhauser aus verschiedener Hinsicht interessant: Schon sehr früh im 19. Jahrhundert seien Knochen in der Schweiz und Deutschland gefunden worden. 1837 habe dann der deutsche Paläontologe Hermann von Meyer dem Tier den Namen Plateosaurus engelhardti gegeben - Jahre bevor der Begriff Dinosaurier 1841 eingeführt wurde.

Früheste Saurier

Die Dinosaurier entstanden vor rund 235 Millionen Jahren in der Trias, "Plateosaurus sind mit 210 Millionen Jahren also ziemlich die frühesten Saurier, die man finden kann", sagte der Paläontologe. Verwandt seien sie mit den Sauropodomorpha, jenen Riesen-Dinos, die im Jura-Kreide-Zeitalter die größten Landwirbeltiere waren.

Plateosaurier waren sechs bis acht Meter groß und wahrscheinlich flotte Läufer auf zwei Beinen. Die bis zu vier Tonnen schweren Tiere waren Pflanzenfresser und lebten im trocken-heißen Klima der Trias. Wasserlöcher waren in der steppenartigen Landschaft überlebensnotwendig, manchmal bedeuteten sie aber auch den Tod. Dann nämlich, wenn die Tiere im Sand und Schlamm stecken blieben, versanken und starben. So blieben auch die Skelette gut erhalten, "einzig die Köpfe fehlen immer wieder, die offensichtlich noch herausgeschaut haben und von anderen Tieren verschleppt wurden", so Harzhauser.

Das neue Plateosaurier-Skelett des NHM ist zu rund 80 Prozent erhalten. Aus diesem Grund haben die Schweizer dem Wiener Museum ein zweites Teilskelett als "Ersatzteillager" zur Verfügung gestellt. Auch bei diesem Fund fehlt der Kopf, er wird durch einen Abguss ersetzt.