Der hoch dekorierte k. u. k. Wünschelruten-Offizier Karl Beichl (l.) sowie Besucher des Museums für Volkskultur mit Pendel und Wünschelrute. - © Fotos: Johann Werfring
Der hoch dekorierte k. u. k. Wünschelruten-Offizier Karl Beichl (l.) sowie Besucher des Museums für Volkskultur mit Pendel und Wünschelrute. - © Fotos: Johann Werfring

Die Sonderausstellung im Niederösterreichischen Museum für Volkskultur Groß-Schweinbarth bietet in mehreren Ausstellungskapiteln einen Überblick über zerstörerische und heilende Kräfte der Erde. Einen besonderen Schwerpunkt stellt das Phänomen von "Mutungen" (Messungen) mit Wünschelruten und Pendeln dar.

Zwar wird die (behauptete) Wirksamkeit der von Rutengängern angewendeten Methode zur Auffindung von Wasser, Erdstrahlen, Bodenschätzen und sonstigen Stoffen von Naturwissenschaftern nach wie vor angezweifelt, jedoch sorgten sensible Menschen bis zuletzt mit überraschenden Ergebnissen für nicht geringe Aufmerksamkeit.

In Österreich kommen Rutengeher neuerdings vermehrt bei der Ermittlung gesundheitsfördernder Schlafplätze zum Einsatz. In ländlichen Gegenden suchen sie nach geeigneten Grabungsstellen für Brunnen und selbst beim öffentlichen Straßenbau wirkten sie im vergangenen Jahrzehnt zum Zwecke der Unfallreduzierung mit.

Die goldene Wünschelrute des Kaisers

Zwei österreichische Wünschelrutengänger aus der Zeit der ausgehenden Habsburgermonarchie werden in der Ausstellung ganz besonders gewürdigt: der k. u. k. Offizier Oberst Karl Beichl (1874 bis 1937) sowie dessen Schüler Major Friedrich Musil (1881 bis 1954). Oberst Beichl zählte im Ersten Weltkrieg zu jenen Wünschelrutengängern, die an der Front für die Wasserversorgung der Truppen zuständig waren. Laut einem in der Ausstellung gezeigten Dokument hatte der am 8. August 1914 in Bosnien eingerückte Offizier bis Ende Dezember jenes Jahres bereits 25 Brunnen errichtet. Für seine Mutungen wurde Beichl seitens der Armeeführung hoch dekoriert. So erhielt er von Kaiser Franz Joseph I. eine goldene Wünschelrute als Distinktion (Rangabzeichen) für den Kragenspiegel seiner Uniform verliehen.

Die Wünschelruten von Oberst Beichl (l.) und Major Musil (r.). - © Foto: Johann Werfring
Die Wünschelruten von Oberst Beichl (l.) und Major Musil (r.). - © Foto: Johann Werfring

Major Musil war auch nach dem Krieg noch lange als Rutengeher aktiv. Wie in der Ausstellung zu erfahren ist, mutete er in der Zwischenkriegszeit die Erdölvorkommen bei Zistersdorf, was in den 1930er Jahren zur Erschließung des Erdöls in Niederösterreich führte.

Schnupperworkshop im Museum

Im Hof der weitläufigen Museumsanlage befindet sich ein abgesteckter Bereich, in dem die Besucher gleich ihr radiästhetisches (strahlenfühliges) Vermögen testen können. Eine Wünschelrute wird dazu vom Museum beigestellt. Wie die hier abgebildeten Wünschelruten von Oberst Beichl und Major Musil (sowie weitere in der Ausstellung zur Schau gestellte Objekte) veranschaulichen, gibt es – je nach individueller Vorliebe, wie zu vermuten ist – recht unterschiedliche Formen. Bei den vom Museum ausgegebenen Wünschelruten handelt es sich um abgeknickte (L-förmige) Lötdrähte, die auch von Profis gerne verwendet werden.

Am 2. Oktober (14–18 Uhr) findet im Museum ein Wünschelruten-Schnupperworkshop statt. Anmeldungen unter Tel. 02289/2302.

Artikel erschienen am 4. August 2011
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7