Neben 23 Gemälden Leonardo da Vincis, die mittels eines aufwendigen digitalen Verfahrens in Originalgröße repliziert wurden, vermag die Ausstellung in der EMS Lounge vor allem durch rund drei Dutzend Holzmodelle – die nach Aufzeichnungen da Vincis maßstabgetreu gebaut wurden – Begeisterung zu erwecken. Verwendet wurden ausschließlich Materialien, die auch schon zu Lebzeiten des genialen Malers und Erfinders verfügbar gewesen sind.

Was die Nachbauten und Modelle so beeindruckend erscheinen lässt, ist nicht nur deren ausgeklügelte technische Bauweise, sondern auch die ästhetische Umsetzung, die bereits an einfacher wirkenden Konstruktionen wie dem hier abgebildeten Flaschenzug nachvollziehbar ist.

Es zählte zu den wichtigsten Aufgaben zeitgenössischer Ingenieure, Geräte zu entwickeln, die es ermöglichten, schwere Gegenstände anzuheben. Leonardo fertigte zahlreiche entsprechende Studien an. Indem das Seil über mehrere Flaschenzüge geführt wird, macht es diese Konstruktion möglich, auch mit wenig Kraft große Lasten zu bewegen.

Für Belagerungszwecke geeignet: die von Leonardo ersonnene bewegliche Treppe. - © Johann Werfring
Für Belagerungszwecke geeignet: die von Leonardo ersonnene bewegliche Treppe. - © Johann Werfring

Leiter zum Gerät gemacht

Gewitzt ist die Lösung, die Leonardo für die Messung von Entfernungen ersann: Das hier abgebildete Hodometer ähnelt einer Schubkarre. Das oben liegende horizontale Rad, auf welches Steine oder Kugeln gelegt werden, weist eine Öffnung auf. Durch die Bewegung des Hodometers beginnt sich dieses Rad zu drehen, und die Steine fallen der Reihe nach durch die Öffnung in den seitlich angebrachten Behälter. Sofern das obere Rad regelmäßig mit neuen Steinen bestückt wurde, konnte man am Ende durch Zählen der gesammelten Steine die zurückgelegte Entfernung bestimmen.

Zu einem "Gerät" umfunktioniert hat Leonardo eine Leiter, die an einem aus mehreren Komponenten bestehenden Aufbau montiert ist. Bemerkenswert ist, dass diese Leiter in mehrere Richtungen gedreht werden kann. Das Gerät ist leicht zerlegbar, und die Leiter ist über ein Zahnradwerk ein- und ausfahrbar. Durch die spezielle Konstruktion konnte sie nicht umgestoßen werden, wodurch sie auch vortrefflich für militärische Belagerungen geeignet war.

Print-Artikel erschienen am  30. August 2012
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7