Porzellangruppe, hergestellt in der Wiener Porzellanmanufaktur, 1858. - © Dorotheum
Porzellangruppe, hergestellt in der Wiener Porzellanmanufaktur, 1858. - © Dorotheum

Infolge der anhaltenden Popularität der Kaiserin Elisabeth in vieler Herren Länder kommt dem Sisi Museum in der Hofburg für die Wiener Fremdenverkehrswirtschaft ein nicht unbedeutender Stellenwert zu. Einmal im Jahr (für gewöhnlich im Frühling) findet im Wiener Dorotheum eine Auktion statt, die thematisch auf Objekte aus europäischen Herrscherhäusern fokussiert. Immer wieder spielen dabei auch Gegenstände aus dem ehemaligen Besitz des österreichischen Kaiserhauses eine Rolle. Auf ganz besonderes Interesse stoßen bei solchen Gelegenheiten einstige Besitztümer von Kaiser Franz Joseph I. und dessen Ehefrau.

Freilich trachtet das Wiener Sisi Museum bei solchen Auktionen jeweils zum Zug zu kommen, um den Besuchern immer wieder neue Attraktionen bieten zu können. Nicht selten finden sich unter den Mitbietern finanzkräftige Interessenten, etwa aus Japan, wo Kaiserin Elisabeth besonders beliebt ist, oder vermögende Geschäftsleute aus Wien mit spezieller Sammelleidenschaft oder Mitglieder von adeligen Familien.

Bei der kürzlich abgehaltenen Auktion konnte die Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. für das Sisi Museum "drei ganz wesentliche Schätze" erwerben, wie Kuratorin Olivia Lichtscheidl freudig vermerkte: ein paar Seidenstiefletten, den originalen Totenschein der Kaiserin sowie eine Porzellangruppe.

Die Figuren der Porzellangruppe stellen Kaiser Franz Joseph I. und Sisi dar, die ein neugeborenes Kind im Arm hält. Der an der Gruppe aufscheinende Jahresstempel (1858) lässt darauf schließen, dass es sich um Kronprinz Rudolf handelt, der in diesem Jahr geboren wurde, wie Kurator Michael Wohlfart anmerkte. Was den Totenschein aus Genf anlangt, so kann dieser im Museum nun im Original anstelle des bislang zur Schau gestellten Faksimiles gezeigt werden.

Ungewöhnliche Fußproportion

Die hier abgebildeten Seidenstiefletten hatte nach dem Tod Elisabeths deren Kammermädchen Wilhelmine Haller besessen. Sisi hatte Schuhgröße 41. Nicht gerade wenig für eine so zierliche Frau! Auffallend ist indes die vergleichsweise schmale Beschaffenheit der Schuhe, die mit der grazilen Gesamterscheinung der Kaiserin wiederum recht gut korrespondierte.

Wie auch die hier abgebildete Porzellanfigur deutlich macht, hatte man Sisis Füße in jungen Jahren kaum zu Gesicht bekommen. Ab 1885 änderte sich die Kleiderlänge, wie Kuratorin Olivia Lichtscheidl zu berichten weiß, wodurch Sisis Schuhe vermehrt sichtbar wurden. Die gegenständlichen Seidenstiefletten stammen aus dieser Zeit.

Die bei der Auktion neu erworbenen Objekte werden nun zunächst einer behutsamen Restaurierung unterzogen. Sie werden ab August 2015 nach und nach in die Ausstellung im Sisi Museum einbezogen.

Print-Artikel erschienen am 16. Juli 2015
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7