Sowohl bei Liebesflaute als auch bei allzu viel Begehren wusste man sich zu behelfen. - © Johann Werfring
Sowohl bei Liebesflaute als auch bei allzu viel Begehren wusste man sich zu behelfen. - © Johann Werfring

Die hier abgebildete Hausfrauenarbeit, die wohl auch ein wenig augenzwinkernd gemeint ist, spielt auf traditionelle Vorstellungen von Ehepflichten an, die mitunter als lästig oder gar unangenehm empfunden werden konnten. Der edle Bilderrahmen mutet an, als hätte die Herstellerin dieses Objekts den Spruch in bestimmten Situationen zur "goldenen Regel" erhoben.

Wurde das Begehren des Ehemannes allzu heftig, so wusste sich die kundige Hausfrau beim Kochen durch Beimengung von bestimmten Ingredienzen zu behelfen. Die Dille, eine an sich verdauungsfördernde und harntreibende Pflanze, soll sich – über längere Zeiträume eingenommen – durchaus auch dämpfend auf den Sexualtrieb ausgewirkt haben. Freilich reduzierte auch der Baldrian, der bekanntlich als Schlaf- und Beruhigungsmittel gute Dienste leistet – in entsprechender Weise das erotische Begehren. Es lässt sich denken, dass dieser im Fall der Fälle von der bedrängten Ehefrau in die Getränke des liebestollen Gesponses geträufelt wurde.

Was den im Spruch angesprochenen Hopfen betrifft, so war dieser ohnedies reichlich im Gerstensaft vorhanden. Mithin musste dieser bloß in entsprechender Quantität bereitgestellt werden. Angeblich sprechen Männer und Frauen recht unterschiedlich auf den Hopfen an: Während ausgiebiger Bierkonsum den Sexualtrieb von Männern herabsetzen soll, bewirken die im Hopfen enthaltenen östrogenartigen Substanzen bei Frauen angeblich genau das Gegenteil.

Insgesamt scheinen anno dazumal die Maßnahmen zur Steigerung der Libido gegenüber jenen zu deren Minderung überwogen haben. Ein in der Ausstellung thematisiertes Liebesmittel ist die Sellerie, die infolge ihrer Wirkung auf die Manneskraft auch "Stehwurzel" respektive "Geilwurz" genannt wurde. Insofern dürfte sich manch eine Frau dieser Pflanze als Kochzutat bedient haben, um die Lust des liebesmüden Gatten anzufachen.

Libidinöse Vereinnahmung der Frau

Zauberische Speckschwarten und ein Warzenbinkerl in der Ausstellung. - © Johann Werfring
Zauberische Speckschwarten und ein Warzenbinkerl in der Ausstellung. - © Johann Werfring

Im umgekehrten Falle wussten sich auch matte Männer mit dem Saft der Sellerie (Eppichsaft) zu behelfen, wie ein ärztlicher Ratschlag aus alter Zeit verrät: "Damit dich deine Frau für allemal lieb hat, nimm Eppichsaft mit Honig gestoßen, und schmier den Zagel und die Hoden damit ein, so machst Du es ihr wohl, dass sie keinen anderen lieber haben wird."

In der Ausstellung ist auch eine aus heutiger Sicht außergewöhnliche Methode zur Beseitigung von Warzen dokumentiert: Man bestrich die Warze mit einer Speckschwarte in Kreuzform und murmelte dazu Segenssprüche. Hernach wurde die Schwarte an ein Scheunentor genagelt. War diese verdorrt, so fiel die Warze ab. Das konnte aber auch durch das "Warzenbinkerl", einem oft seit Generationen vererbten Objekt, zuwege gebracht werden.

Print-Artikel erschienen am 20. August 2015
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7