Nachdem Erzherzog Karl (1771–1847), der "Held von Aspern", wie er wegen seines Sieges über Napoleon schon zu Lebzeiten genannt wurde, das Kriegshandwerk an den Nagel gehängt hatte, vermählte er sich im Alter von 44 Jahren mit der 18-jährigen Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg. Die innige Beziehung zwischen Karl und Henriette, die mittels erhaltener Briefe dokumentiert ist, fand auch in einer besonderen Liebesgabe Ausdruck: der Errichtung einer Sommerresidenz in Baden bei Wien.

In einem Brief an seinen Adoptivvater, Herzog Albert von Sachsen-Teschen, erläutert Erzherzog Karl, dass "der Staub und die Langeweile von Wien, die auf psychisches und physisches Befinden einwirken, wenn man gezwungen ist, in dieser Stadt auch während des Sommers wohnen zu müssen", ihn bewogen hätten, "einen köstlichen Bauplatz im Helenental zu erwerben", auf welchem er seinen Wohnsitz während der Badesaison errichten lassen wolle.

Fast auf den Tag genau fünf Jahre nach der Hochzeit war am 16. September 1820 Baubeginn. Im Jahr darauf durfte Henriette als Weihnachtsgeschenk den Vertrag unterschreiben, der ihr Eigentum am Schloss Weilburg begründete. Im Juni 1823 wurde es bezogen.

Zu Ehren seiner Frau ließ Erzherzog Karl das Schloss nach ihrem Heimatort benennen. Im Badener Sprachgebrauch war alsbald von "der" Weilburg die Rede, was offensichtlich auf die monumentale Bauweise des von dem bedeutenden Architekten Joseph Kornhäusel konzipierten Schlosses zurückzuführen ist: Es hatte eine Länge von 187 Meter und verfügte über rund 200 Wohn- und Wirtschaftsräume. Aus Liebe zu seiner Frau, der er das Schloss verehrte, ließ Karl deren Zimmer genauso einrichten wie jene ihres Heimatschlosses. Alsbald galt die Weilburg als bedeutendes Wahrzeichen der Kurstadt Baden.

Mit der Inneneinrichtung wurden die besten Firmen Wiens beauftragt. Sowohl von den Innenräumen als auch vom Äußeren der Weilburg sind in der Ausstellung reizende Bilder vertreten.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ging das Badener Wahrzeichen in Flammen auf, und die Brandruine wurde ausgeschlachtet. Sogar der Wiener Stephansdom profitierte: Ihm kam ein Teil des Altkupfers der Weilburg zugute. Nur noch wenige Relikte erinnern heute in Baden an das einst prächtige Bauwerk. Über die Geschichte der Weilburg ab 1945 ließe sich eine separate, spannende Ausstellung gestalten.

Print-Artikel erschienen am 27. August 2015
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7