Eine Serie von Landschaftsbildern mit phantastischen, kuriosen, grotesken, märchenhaften, unheimlichen, verstörenden und zum Teil obszönen Bezügen hat der bayrische Cartoonist, Maler und Schriftsteller Rudi Hurzlmeier zum Gegenstand einer Ausstellung mit dem bezeichnenden Titel "Land der Berge" gemacht. Beinahe möchte man nach dem Ausstellungsrundgang in seinen Bart hineinmurmeln: "Da hat sich dieser Hurzlmeier ganz schön ausgesponnen." Und zwar ganz im positiven Sinne!

Mit seinem am Felsrand röhrenden Hirsch-Kamel, das Hurzlmeier mit dem Bildtitel "Integration" präsentiert, hat er im Hinblick auf die aktuelle Flüchtlings- und Integrationsdebatte den Vogel abgeschossen. Angesichts der schroffen Frontenbildung in der österreichischen Gesellschaft, wie wir sie in den vergangenen Monaten erlebt haben, empfindet man eine solch humorvolle Herangehensweise an die Thematik als geradezu wohltuend.

Mit dem Cartoon "Plötzlicher Wintereinbruch" greift Hurzlmeier pointiert das brandaktuelle Thema Klimawandel auf. Anstatt das eigene Umweltverhalten zu reflektieren und sich um eine Optimierung der ökologischen Nachhaltigkeit zu kümmern, freut sich so mancher gar über die Erderwärmung. Schon wird davon geschwärmt, dass man etwa in Ostösterreich in absehbarer Zeit mediterrane Rebsorten wir anpflanzen können, während das bislang kühle Waldviertel freudig als Anbaugebiet des autochthonen Grünen Veltliners in Aussicht genommen wird.

Indes wird übersehen, dass die Klimakurven nicht linear verlaufen, wie auch schon im vergangenen Jahrzehnt zu beobachten war. Während so manche Jahre schier unerträgliche Hitzeperioden bereithalten, gibt es also in anderen Jahren in den Sommer- und Herbstmonaten überaus kühle Perioden. Dass das Klima sichtlich verrücktspielt, wie es Hurzlmeier hier trefflich illustriert, hat in punkto Konsumverhalten bislang nur wenig zum Umdenken geführt. Adäquate Umwelterziehung in der Schule könnte bewirken, dass in der Gesellschaft mittelfristig ein Bewusstseinswandel in Gang kommt. Indes findet eine solche Umwelterziehung bislang so gut wie gar nicht statt.

Zu den ganz ausdrucksstarken Bildern der Ausstellung zählt der hier abgebildete "Yeti", der dem bekannten Bergsteiger Reinhold Messner nicht unähnlich sieht, ebenso der mit seiner Kuh im Zungenkuss verstrickte Almbauer, und nicht zuletzt auch die Sennerin, die dem vor ihrem prallen Busen platzierten putzigen Sennenhunderl in einer Art und Weise den Finger ins Maul steckt, dass einen dieses schockante Sujet noch einige Zeit nach dem Ausstellungsbesuch im Gedächtnis haftet.

Print-Artikel erschienen am 7. Jänner 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7