Wien. Ein lautes Zischen erfüllt plötzlich die Luft. Gefolgt von einem lauten "Groaaaar!". Eben noch war Olivia mutig nach vorne gelaufen. Nun wird ihr doch ein wenig mulmig. Mit einem lauten "Papaaaa!" läuft sie zurück, wickelt ihre Hände ums Bein. Natürlich weiß unsere Testkritikerin Olivia, dass die Dinos hier in der Ausstellung "Die Giganten der Urzeit" nicht echt sind. Mit viereinhalb Jahren und solide antrainierter Medienkompetenz macht man ihr nichts vor. Und doch. Waren da nicht eben noch unbekannte Laute in der Luft? Und das "Zisch!!" der Nebelmaschine unter einem besonders grimmig dreinblickenden Triceratops war dann doch - nun ja - überraschend.

Das Licht der blauen und grünen Scheinwerfer, die durch die frisch ausgestoßene Nebelwand strahlen, tauchen die Figuren in eine besonders kühle Stimmung. Die lebensgroßen Nachbildungen von etwa drei Dutzend Dinosauriern, die man hier zwischen pflegeleichten Plastikpflanzen und den grauen Betonboden der Marx Halle kaschierenden Rindenmulch drapiert hat, machen so noch mehr Eindruck. Denn "lebensgroß" bedeutet bei so manchem Dino groß. Also sehr groß! Und lang. Vor allem wenn man selbst noch so klein ist, dass die Perspektive einem Streiche spielt. Von unten sieht so ein offenes Tyrannosaurus-Maul eben doch bedrohlich aus, auch wenn man weiter hinten sogar in einen Kopf hineinkriechen kann, damit die Mamas und Papas lustige Bilder machen können, die sie dann auf Facebook posten. Damit die anderen Mamas und Papas sie sehen und sich denken, so coole Dinos, das wäre doch mal was . . .

Natürlich hat der Papa vorher erklärt, dass es diese Dinos nicht wirklich gibt. Dass sie längst ausgestorben sind also, sozusagen der Superlativ von tot - sprich sehr sehr tot - sind. Aber ganz schön groß sind sie trotzdem. Und zischen tun sie ja auch! Also lieber mal einen Gang zurückschalten, man weiß ja nie.

Aus Erwachsenensicht ist die Ausstellung "Giganten der Urzeit" in der Marx Halle doch recht überschaubar, wenn man an die 24 Euro denkt, die eine Familienkarte kostet. Die Dinos sind in Gruppen drapiert, man kann dazwischen durchgehen, wie man möchte. Es gibt zudem eine Sandkiste für private Grabungen, einen Maltisch und ein Buffet mit dem üblichen Sortiment. In einer Ecke hat man vier Vitrinen platziert, in denen man sich Fossilien anschauen kann, etwa ein Nest mit 24 Dino-Eiern. Kein Wunder, dass sich auf den Vitrinen mittlerweile eine beachtliche Staubschicht angesammelt hat, denn die sind aus Kindersicht natürlich fad - um nicht zu sagen urfad!

Denn es gibt ja "echte" Dinos, so ganz ohne Skelett, sondern richtig mit Körper und Haut, also nur aus Plastik, aber immerhin. Etwa jene Exemplare, die ihr Maul gerade in Kinderhöhe haben, sodass man ihnen als besonders mutiger Forscher den Kopf hineinstecken kann. Das ist natürlich ein Nervenkitzel der Extraklasse, auch wenn der letzte Dino sich vor 65 Millionen Jahren aus so einer Situationen einen Snack herausgeholt hätte.

Eh nur Pflanzenfresser!


Man kann die Figuren tätscheln und streicheln, auch wenn sie eigentlich nicht so aussehen, als ob sie solchen Zärtlichkeiten besonders zugetan wären. Man traut sich gar nicht, daran zu denken, was hier bei "Nachts im Museum IV" alles los wäre. Fleischfresser gegen Pflanzenfresser, das wäre ein kurzes, aber durchaus spektakuläres Match. Die Macher der Schau heben auf ihrer Website ja den Lerneffekt hervor. "Ziel der Schau ist es, diese Urzeitgiganten so natur- und wirklichkeitsgetreu wie möglich in Verbindung mit fundierten Informationen darzustellen. Besonders interessant und lehrreich ist der Bildungsaspekt", heißt es da. Und so wankt man also durch den Figurenwald und liest pflichtschuldig biologische Namen von den Schildern. Testkritikerin Olivia beeindruckt das freilich wenig. Ob das jetzt ein Stegosaurus oder ein Ceratosaurus ist, dem man hier die Nase tätscheln kann, ist ihr egal. Und sofern es nicht laut zischt, traut man sich das auch.