Die Autoren Michael Göbl und Irmgard Pangerl im Museum der Votivkirche vor dem Originalkarton zur Glasmalerei des Familienfensters, um 1875. - © Johann Werfring
Die Autoren Michael Göbl und Irmgard Pangerl im Museum der Votivkirche vor dem Originalkarton zur Glasmalerei des Familienfensters, um 1875. - © Johann Werfring

Der 100. Todestag von Kaiser Franz Joseph I. (18. August 1830 bis 21. November 1916) ist Anlass für eine Reihe von kürzlich angelaufenen Ausstellungen und Publikationen. Einen interessanten Bildband zu Kaiser Franz Joseph haben Michael Göbl und Irmgard Pangerl herausgebracht, in dem in chronologischer Abfolge weitgehend unbekannte und unveröffentlichte Bilder sowie Dokumente zu Leben, Politik, Reisetätigkeit und Gunsterweisen des Monarchen abgedruckt sind. Sämtliche Quellen und Artefakte dieser Publikation stammen aus den Beständen des Haus-, Hof und Staatsarchivs in Wien, in dem die beiden Autoren beschäftigt sind.

Im Buch wird auch ein Widmungsblatt aus der Kartensammlung des Haus-, Hof und Staatsarchivs gezeigt, das im Jahr 1853 in der "Wiener Zeitung" abgedruckt war. Es bezieht sich auf den Mordanschlag auf Kaiser Franz Joseph, den der ungarische Schneidergeselle und Revolutionär János Libényi am 18. Februar 1853 unternommen hatte. Durch das beherzte Einschreiten des kaiserlichen Flügeladjutanten Maximilian Graf O’Donnell und des Wiener Fleischhauers Josef Ettenreich konnte der Monarch gerettet werden.



Wiener Spottverse auf einen Schneider

Josef Ettenreich wurde dafür in den Adelsstand erhoben. Der Attentäter hingegen wurde wenig später gehängt, worauf sich die bis heute in Wien bekannten Spottverse beziehen: "Auf der Simmeringer Had’ (= Heide) / hat’s an Schneider verwaht (= verweht). / Es g’schiecht ihm scho’ recht / warum sticht er so schlecht."

Das Attentat hat im Wiener Stadtbild bis heute Spuren hinterlassen: Zum einen wurde nach Josef Ettenreich eine Straße benannt, zum anderen errichtete man zum Dank für die Errettung des Kaisers (als Votivgabe an Gott) die Wiener Votivkirche.

In der Votivkirche selbst finden sich interessante Artefakte mit Bezug zu Kaiser Franz Joseph. Im ehemaligen Hoforatorium ist ein wenig bekanntes Museum eingerichtet. Ein ungewöhnliches Objekt in diesem Museum ist ein Kachelofen, der für kaiserliches Wohlbehagen sorgen sollte. Gleich daneben sind mehrere Originalkartons zur Glasmalerei der Kirchenfenster ausgestellt. Diese sind insofern interessant, weil die Fenster der Votivkirche im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden.

Neuerscheinung mit seltenen Bildern aus dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv.
Neuerscheinung mit seltenen Bildern aus dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv.


Der hier abgebildete Originalkarton zur Glasmalerei des kaiserlichen Familien-Fensters der ehemaligen Prinzenkapelle der Votivkirche von Josef Mathias Trenkwald zeigt die Kinder von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Links hinten ist Kronprinz Rudolf (1858 bis 1889) zu sehen, daneben seine Schwestern Gisela (1856 bis 1932) und Marie Valerie (1868 bis 1924). Das älteste Kind der Kaiserfamilie, Sophie Friederike (1855 bis 1857), ist am kleinsten dargestellt, weil es im Alter von zwei Jahren gestorben war. Da es zum Zeitpunkt des Votivkirchenbaus bereits im Himmel war, schwebt es hier auf einer kleinen Wolke.

Tipp: Michael Göbl und Irmgard Pangerl: Kaiser Franz Joseph I. 1830–1916. Bilder und Dokumente aus dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien, Edition Winkler Hermaden, Wien 2015, 124 Seiten, Preis: 24,95 Euro.

Print-Artikel erschienen am 31. März 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7