Die Düfte Indiens beschwört Valentin Oman in Farben und Formen der Fröhlichkeit, so auch in "Jaipur". - © Oman
Die Düfte Indiens beschwört Valentin Oman in Farben und Formen der Fröhlichkeit, so auch in "Jaipur". - © Oman

Es ist seine erste große Ausstellung in Wien, obwohl Valentin Oman hier kein Unbekannter ist. Jahrelang hat Helga Vavorsek in ihrer Galerie Contact seine Arbeiten vertreten und seine vielen Gestaltungen im öffentlichen Raum sind vor allem durch die Ausmalung von Schloss Tanzenberg am Zollfeld zumindest so bekannt wie die Altarraum-Gestaltungen des älteren Giselbert Hocke aus der Nachkriegszeit. Oman hat im Marianum Tanzenberg 1958 maturiert, ehe er an der "Angewandten" in Wien Malerei und in Ljubljana Druckgrafik studierte. Die Retrospektive mit seinen Werken tourt zum 80. Geburtstag vom Museum moderner Kunst in Klagenfurt über das Künstlerhaus Wien nach Slowenien in das Božidar Jakac Art Museum in Kostenjevica na Krki.

Kunst und Kirche kombiniert

Kunst und Kirche hat wohl keiner so gelungen kombiniert wie Oman. In Kirchenräumen und Passagen bleibt sein Leitmotiv die Spurensuche nach dem Homo sapiens, so auch der Titel von einigen Arbeiten. Wie freigelegte Spuren, teils eingekratzt und immer wie direkt in die Mauer als Fresko aufgetragen, wirkt seine Malerei. Die Farbtöne wie auch seine reliefartig gestalteten Oberflächen haben sich seit 1964 verändert. Warmes Beige und Orange werden später von einem königlichen Blau abgelöst (ein rein blaues Bild von 1999 bleibt aber Solitär), dann folgt wieder Kargheit in Schwarz, Ocker und Grau. Askese und Sinnlichkeit sind bei Oman kein Widerspruch.

Die Passion Christi wird durch Tau-Kreuz-Formen der Leinwände zu Kreuzwegen erweitert wie im "Piraner Kreuzweg", der mit seinen 14 großen Formaten nun den zentralen Raum des Obergeschoßes im Künstlerhaus füllt.

Wie Objekte sind die Bilder auf einem Podest an drei Wände gelehnt. Andere religiöse Grundformen bilden seine Stelen mit Ecce-Homo- und Pietà-Darstellungen, doch werden auch andere Kulturen in Erinnerung gerufen, denn die schemenhaft, wie in Stoff eingeschlagenen Körper, können an altägyptische Mumien, die leeren Ovale an Ikonostasen denken lassen. Das Vera Ikon führt an den Anfang der Kunst. Auch die Mauerzitate und die Spurensuche sind vor Leonardo da Vinci schon in der antiken Malerei Anregungen der Fantasie. Letztlich sind auch die ersten Höhlenmalereien Abdrücke von Händen neben einem von Tieren beherrschten Kosmos. Immer verbergen Omans Bilder mehr, als sie zeigen. So bleibt für den Betrachter, das Rätsel für sich selbst ergänzend zu lösen.

Der menschliche Existenzkampf ist schon Anfang der 60er Jahre, als Oman viel mit Kohle und dunklen Asphaltfarben experimentierte, sein Thema. Dabei sind seine Körper immer in Bewegung, suggerieren zuerst ein Schreiten, dann eine Art Zittern. Das Prozesshafte bleibt ein Grundanliegen - Fließen und Fliegen spielt selbst in den Torsi auf den antiken Mythos von Ikarus an. Aber Oman bedient nicht nur die klassischen Grundkonstellationen des Malerischen: Er collagiert Stoffe und erklärt damit seine Neigung zum Bildhauerischen. So sind auch Bronzefiguren in der Retrospektive zu finden, er hat Eisen, Aluminium, Beton, auch Glas benützt, um Stelen und Fenster, Pyramiden und Altarformen mit Goldauflagen in Kärnten, vor allem in Klagenfurt, zu gestalten.

Politische Statements

In der Universität der Landeshauptstadt steht heute ein für die Retrospektive nachgebautes Raumobjekt, das an die Wandkonzepte eines Joseph Kosuth erinnert, aber vor allem ein politisches Bekenntnis zur Zweisprachigkeit ist: die 2000 entstandene Dolmetscherkabine mit Schriftbändern aller zweisprachigen Ortsnamen Kärntens. Die jeweils zwei Namen der Orte werden mittels Audioinstallation gelesen - immer noch sind wenige Ortstafeln zweisprachig: nur 164 von 900. 13 Jahre lang hat sich Oman geweigert, in seiner Heimat auszustellen - mit fataler Wirkung für seinen Bekanntheitsgrad in ganz Österreich.

Neben den Ikonen, Kreuzen und Stelen ähnlichen Grundformen hat Oman aber auf Reisen in den letzten Jahren ganz andere Figurendarstellungen skizziert, die im Gegensatz zu seinen ernsten Themen und existenziellen wie politischen Fragen, besonders fröhlich sind. In Indien hat er mit bunten Ölkreiden das Leben auf Straßen und Märkten nachgezeichnet, fast wie die Maler des Blauen Reiter vor hundert Jahren in Marokko. Neben dem Zyklus "Indien" gibt es Eindrücke aus Marokko, dem Jemen, Oman und Tripolis, und alle Blätter weisen Oman auch als äußerst vielseitigen sowie zeitlos aktuell bleibenden Künstler aus.