Kinder am Tag ihrer Erstkommunion im Höfleiner Gasthaus Rudolf Kutscha im Jahr 1946. - © Höfleiner Privatarchiv
Kinder am Tag ihrer Erstkommunion im Höfleiner Gasthaus Rudolf Kutscha im Jahr 1946. - © Höfleiner Privatarchiv

Ältere Semester, die sich lebhaft an jene Palette an Gastronomiebetrieben, wie sie noch vor einigen Jahrzehnten vorhanden gewesen ist, erinnern können, wird wohl beim Rundgang durch die aktuelle Ausstellung im Stadtmuseum Klosterneuburg mehrheitlich eine gewisse Wehmut überkommen. Die in der Schau gebotene Gegenüberstellung der seinerzeit von zünftigen Wirtshäusern (nebst Wein- und Bierhäusern, Milchtrinkhallen und Bahnhofsrestaurants) dominierten Gastroszene mit jener von heute, die nur noch wenige Gasthöfe (dafür aber Pizzerias, Chinarestaurants, McDonald, Schnitzelhäuser und dergleichen) aufweist, ist selbstredend.

Es ist verdienstvoll, in welch akribischer Weise das Ausstellungsteam die vielfach in Privatbesitz vorhandenen historischen Zeugnisse der Stadtgemeinde Klosterneuburg sowie der beigeordneten Katastralgemeinden gesichtet und im Wege der Schau zugänglich gemacht hat; eine entsprechende Publikation ist überdies in Vorbereitung. Die gebotene Objektauswahl gibt einen guten Überblick zur Genese der örtlichen Gastronomie seit 1900; in einer Reihe von Fällen überrascht die Ausstellung mit raren Museumsstücken zur Mentalitäts- und Alltagsgeschichte.

Wirtshausküchenutensilien aus Holz in der Ausstellung (l.), Nagelspende der Tischgesellschaft Dämmerstunde, 1914–1915 (r.). - © Johann Werfring
Wirtshausküchenutensilien aus Holz in der Ausstellung (l.), Nagelspende der Tischgesellschaft Dämmerstunde, 1914–1915 (r.). - © Johann Werfring

Ein Ausstellungskapitel widmet sich etwa dem Abbau und der Lagerung von natürlichem Eis für gastronomische Zwecke sowie der Erzeugung von Speiseeis zur Zeit der ausgehenden Habsburgermonarchie. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt die Nagelspende der Tischgesellschaft Dämmerstunde, die ihren Vereinssitz im Klosterneuburger Stiftskeller hatte. Die in den Jahren 1914 und 1915 von den Dämmerstunde-Mitgliedern erfolgte Benagelung der Granatenskulptur verfolgte einen karitativen Zweck: Wer – entgeltlich – einen Nagel einschlug, unterstützte damit Witwen und Waisen von im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten. Den Stiftskeller in der Albrechtsbergergasse gibt es übrigens heute noch.

Ein herrliches Objekt ist das Foto aus dem Jahr 1946, auf dem die Kinder der Klosterneuburger Katastralgemeinde Höflein bei der Feier im Gasthaus Rudolf Kutscha am Tag ihrer Erstkommunion zu sehen sind. Sogleich drängt sich vor geistigem Auge ein Vergleich dieser schüchternen Nachkriegskindergesichter mit den aufgeweckten (und zum Teil "coolen") Physiognomien heutiger Kinder in diesem Alter auf.

Die hier abgebildeten Küchenutensilien aus Holz (Salzbehälter, Buttermodel, Krenreißer, Holzgabel und -löffel) lassen daran denken, dass die Wirtshausbesucher seinerzeit durch die Verwendung von Naturmaterialien auch keinen Schaden genommen haben. Heutzutage haben sich die Leute an den Verzehr des Plastikabriebs von Schneidbrettern und sonstigen verordneten Utensilien schon gewöhnt.

Print-Artikel erschienen am 14. April 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7