Kaiser Leopold I. (1640 bis 1705) war ein gebildeter sowie durch und durch kultivierter Mann. Dementsprechend stilvoll (und dem barocken Zeitgeist gemäß auch opulent) gestalteten sich die Festivitäten anlässlich der Vermählung mit seiner Nichte Margarita Theresa (1651 bis 1673).

Einer der Höhepunkte der Hochzeitsfestlichkeiten war die Aufführung des Rossballetts am 24. Jänner 1667 im inneren Burghof der kaiserlichen Residenz in Wien. Der Text für dieses Spektakel war, ganz wie es für die Verhältnisse am Kaiserhof damals üblich war, von Francesco Sbarra in italienischer Sprache verfasst worden. Inhaltlich ging es um den Wettstreit zwischen den beiden Elementen Luft und Wasser.

Kaiser Leopold I. war mit seinem Hengst Speranza höchstpersönlich als Schauspieler mit von der Partie. Auch andere Mitglieder des Hofes und hochgestellte Herrschaften, etwa der spätere kaiserliche Feldherr Herzog Karl von Lothringen oder der Reichshofrat Gundakar Graf Dietrichstein spielten mit. Ein beeindruckendes Ölgemälde in der Ausstellung zeigt den damals 26-jährigen Monarchen mit langem Haar, das aus der Krone hervorquillt, in einem märchenhaften Kostüm als Teilnehmer des Rossballetts.

Bereits fünf Jahre zuvor hatte in Paris ein aufsehenerregendes Rossballett stattgefunden, an dem sich der französische König Ludwig XIV. (alias "der Sonnenkönig") beteiligt hatte. Bei dem Wiener Spektakel anlässlich der Kaiserhochzeit galt es freilich, das Reiterspiel des Konkurrenten von Leopold I. zu übertreffen. Zu diesem Zweck wurden in Wien alle technischen Möglichkeiten der damaligen Zeit ausgeschöpft. So etwa schwebten Pferde und Kutschen vom Himmel hernieder, und auch sonst wurden alle erdenklichen Mittel eingesetzt, um die Zuschauer auf ihren hohen Tribünen zu begeistern. Mehr als 600 Darsteller in kostbaren Kostümen sorgten mit choreografischen Einlagen und Gesängen für majestätische Kurzweil.

Kein anderes theatrales Ereignis der Zeit wurde öfter bildlich umgesetzt. Jedoch kamen nicht wenige Abbildungen bereits vor der Aufführung zustande.

Print-Artikel erschienen am 28. April 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7