Theodor Körner bei der freiwilligen Arbeit an der Kobenzlschanze. - © Bezirksmuseum Döbling
Theodor Körner bei der freiwilligen Arbeit an der Kobenzlschanze. - © Bezirksmuseum Döbling

Nachdem in der ausgehenden Habsburgermonarchie – zumindest in elitären Kreisen – eine beachtliche Begeisterung für den Skisport aufgekommen war, entstanden in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg auf dem Gebiet des Kaiserreichs auch erste Skisprungschanzen. Neben den prominenten Sprungschanzen am Semmering und in Mürzzuschlag gab es zu jener Zeit etwa Schanzen in Mariazell, Gösing, Reutte in Tirol oder im ungarischen Tatra-Füred.

In Wien, wo in den Vororten schon früh der Skisport etabliert worden war (1891 wurde der Erste Wiener Ski-Club gegründet), schmiedete der Sportklub Cobenzl 1919 Pläne zur Errichtung einer Skisprungschanze. Zur Ausführung kam ein Wiener Schanzenprojekt jedoch erst wesentlich später, nämlich im Jahr 1928.

Obgleich der Skisport auch zu jener Zeit noch eine bürgerliche Domäne war, wurde die Sprungschanze auf dem Latisberg (Cobenzl) vom Wiener Arbeiterturnverein errichtet. Sowohl bei der Errichtung der Schanze als auch bei späteren Umbauten konnte der Arbeiterturnverein auf freiwillige Arbeiter zurückgreifen. Ein bemerkenswertes Foto in der Ausstellung zeigt den späteren Bundespräsidenten Theodor Körner mit Spitzhacke bei der freiwilligen Arbeit an der Schanze.

Der Ausbau der Wiener Kobenzlschanze im Wienerwald. - © Bezirksmuseum Döbling
Der Ausbau der Wiener Kobenzlschanze im Wienerwald. - © Bezirksmuseum Döbling

Die "Kobenzlschanze" wurde in einer großen Mulde hinter dem Cobenzl-Hotel errichtet. Auf der vom Arbeiterturnverein unter tatkräftiger Mithilfe der Wehrturnabteilung im Jänner 1929 fertig gestellten Schanze gingen wenig später erste Bewerbe über die Bühne. Zu einer am 10. März 1929 durchgeführten Veranstaltung waren 3000 Zuschauer gekommen, am 16. Februar 1930 hatten sich 7000 Schaulustige eingefunden und am 28. Februar 1932 hatten 10.000 Skisprungbegeisterte den Weg auf den Cobenzl gefunden.

Nach Verbesserungen an der Schanze waren damals bereits Sprünge mit nahezu 60 Metern möglich. Erweiterungspläne gab es noch im Jahr 1936, aus ihnen wurde aber nichts. Wie es scheint, waren die politischen Zeitumstände dem weiteren Gedeihen des Skisprungsports am Cobenzl nicht förderlich.

1948 veranstaltete der Arbeiterturnverein einen Wettbewerb für ein Projekt zur Wiedererrichtung der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kobenzlschanze. Der Wiener Architekt Adolf Hoch gewann den Bewerb, jedoch blieben die Pläne letztlich in der Schublade liegen.

Print-Artikel erschienen am 16. Juni 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7