Der österreichische Gelehrte und Schriftsteller Joseph August Schultes (1773–1831) war geneigt "an wohltätige Feen und Dämonen zu glauben", als er den Schlosspark des Grafen Fries in Vöslau in Augenschein nahm. Im Gegensatz zu anderen Autoren, die eine Beschreibung der fantastischen Gartenanlage hinterließen, mochte Schultes an eine konkrete Schilderung nicht denken – zu groß war sein Erstaunen: "Die alles verschönernden Hände der jetzigen Besitzer dieser weiland Unkenburg (Anm.: Schloss Vöslau) haben einen Zauber über die Gegend umher verbreitet, den die glücklichste Vermählung der schönen Natur mit der vollendetesten Kunst den hesperidischen Gärten nicht ähnlicher nachbilden konnte. Auch hier entsinket die Feder wieder unserer Hand, und wir sind vielleicht dankbarer für den hohen Genuß des Lebens, den uns dieser Park gewährte, wenn wir uns nicht an Beschreibungen der magischen Situationen desselben wagen, als wenn wir wähnten, das durch Worte darstellen zu können, was selbst der geübteste Griffel nur schwach nachbilden kann."

Zumindest aber vermittelt der beeindruckende, in der Ausstellung gezeigte Kupferstich von Carl Schütz eine Ahnung von Schultes’ Ergriffenheit, der die Fries’sche Gartenanlage trefflich mit der Metapher "Tempel der Natur" umschrieb. Die bekannte Redensart "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" darf hier – gerade in Kenntnis der willentlichen Sprachlosigkeit von Joseph August Schultes – als in höchstem Maße zutreffend bezeichnet werden.

Der mit zahlreichen Attraktionen von theatralischer Wirkung gestaltete Vöslauer Garten zählte zu den bemerkenswertesten Sehenswürdigkeiten im Umfeld der kaiserlichen Haupt- und Residenzstadt Wien. Ins Werk setzen ließ die prächtige Gartenanlage mit dem kaskadenweise umspülten Grottenberg der Bankier Johann Graf von Fries, der auch ein Freimaurer gewesen war.

Für dessen Gestaltung hatte Fries den Architekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg gewonnen, der in Schönbrunn und Laxenburg auch für das Kaiserhaus tätig war. Das Wasserrad eines Flusses ermöglichte die Belebung der Anlage mittels Fontänen und Kaskaden. Zuweilen ließ der Graf den Grottenberg, aus dem sich rauschend Wasser ergoss, nächtens erleuchten. Tragisch und ungeklärt war der Tod des Grafen: 1785 wurde er in einem Teich seines Gartens ertrunken aufgefunden.

Print-Artikel erschienen am 30. Juni 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7