Kaiser Franz fährt einen Bauern auf dem Laxenburger Teich. Gemälde von Johann Peter Krafft, 1837. Original im Schloss Artstetten. - © Schloss Artstetten
Kaiser Franz fährt einen Bauern auf dem Laxenburger Teich. Gemälde von Johann Peter Krafft, 1837. Original im Schloss Artstetten. - © Schloss Artstetten

Das hier abgebildete Gemälde von Johann Peter Krafft, auf dem Franz II./I. (1768 bis 1835) als Fährmann (links im Bild) dargestellt ist, spielt auf drei wesentliche Rollen an, die dem Kaiser zukamen: Das entscheidende Moment der Handlung zeigt ihn als Bürger. Der in der Mitte abgebildete Bauer lässt sich von dem Mann, dessen hohe Stellung er nicht erkennt, auf dem Laxenburger Teich zum anderen Ufer übersetzen. Anekdoten wie diese kursierten zuhauf über den Habsburger, der sich in seinen Feriendomizilen gerne ohne jeglichen fürstlichen Pomp, in Zivilkleidung, ganz so wie ein Bürger, gab.

Zum anderen ist die im Hintergrund befindliche Franzensburg ein wichtiges dynastisches Symbol, das auf die Rolle des Burgbesitzers als Kaiser von Österreich hinweist. Zum dritten schließlich zeigt das Bild den Kaiser in einer von ihm wesentlich geprägten Parklandschaft und weist ihn damit als ausgesprochenen Gartenfreak aus. Sowohl in Wien als auch in Niederösterreich besaß er prächtige Gärten, und wie überliefert ist, griff er nicht nur in die Planung der einzelnen Anlagen ein, sondern legte bei der Gartenarbeit auch persönlich Hand an.

Gärtnerwerkzeug von Kaiser Franz II./I. - © Thomas Magyar/Stadtgemeinde Baden
Gärtnerwerkzeug von Kaiser Franz II./I. - © Thomas Magyar/Stadtgemeinde Baden

Kaiserlicher Schweiß beim Garteln

Das hier abgebildete Gärtnerwerkzeug aus dem Wiener Hofmobiliendepot hatte der Monarch höchstselbst benutzt. Die bis heute immer wieder vorgebrachte Behauptung, Kaiser Franz hätte in seiner Jugend sogar eine Gärtnerlehre durchlaufen, lässt sich zwar nicht nachweisen, wie in der Ausstellung zu erfahren ist. Gesichert ist jedoch, dass er zum einen viel Zeit zur Entspannung in seinen Gärten verbrachte und zum anderen auch selber gerne "gartelte". Zu seinem Ruf als "Blumenkaiser" hat das 1881 von Joseph Pfundheller herausgebrachte Buch "Der Blumenkaiser" nachhaltig beigetragen. Wie Pfundheller, der sich auf Erzählungen des Hofgartendirektors Franz Antoine d.J. stützte, in seinem Buch überliefert, sei es wiederholt vorgekommen, dass seine Brüder ihn bei der Gartenarbeit vorfanden und dabei wahrnahmen, wie dem Kaiser "der Schweiss aus allen Poren drang". Obwohl das Buch auch mit allerlei Anekdoten und lebhaften Dialogen in direkter Rede gespickt ist, billigen ihm die Ausstellungsmacher doch einen gewissen Realitätsgehalt zu.

Im Unterschied zu seinen kaiserlichen Nachfolgern wendete Franz II./I. nicht unbeträchtliche Summen für die Anlage und den Erhalt von Gärten auf. Darüber hinaus förderte er Bereiche wie die Blumenmalerei sowie die wissenschaftliche Sammlung und Dokumentation von Pflanzen. In der kaiserlichen Privatbibliothek nahmen die Botanika beachtliche zehn Prozent der gesamten Stellfläche ein.

Schließlich war der "Blumenkaiser" nicht nur ein Förderer der Botanik und Arbeiter in seinen eigenen Gärten. Wann immer es seine Zeit zuließ, verschaffte er sich in seinen grünen Refugien auch Erholung und Ruhe.

Print-Artikel erschienen am 22. September 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7