Wien. Begreifen ist hier keine rein geistige Tätigkeit, sondern eine sehr sinnliche und haptische Angelegenheit. Und ein Museum kein Ort, an dem man sich möglichst still zu verhalten hat. Die Welt ganz unmittelbar und möglichst spielerisch zu begreifen, darum geht es auch in der neuen Ausstellung des Zoom Kindermuseums. Diesmal stehen der Hör- und der Sehsinn im Zentrum der 15 Stationen, bei denen Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren eingeladen sind, komplexe physikalische Vorgänge plastisch zu erleben und zu verstehen.

Was passiert, wenn man gegen eine mit Wasser gefüllte, 250 Kilogramm schwere Glocke schlägt? Kann man Schallwellen sehen und fühlen? Kann man Musik auch sehen? Und wie kann es sein, dass der eigene Schatten plötzlich in roten, grünen und blauen Farben schimmert, wo der Lichtstrahl doch eigentlich weiß ist? Es sind vor allem Fragen, über die das Interesse der Kinder im Zoom geweckt wird. Sie sind immer mit einer Aufforderung verbunden, die Antwort doch selbst herauszufinden: "Wir versuchen, Räume zu schaffen, die inspirieren", erläuterte Kurator Christian Ganzer das Konzept der Schau. Bei einer Station können kleine Besucher etwa verschiedenste optische Linsen ausprobieren, sich in Zerrspiegeln betrachten oder versuchen, einander in der Schreikammer zu übertönen. Überdimensionale Ohrkostüme laden zu spielen ein, in einer kleinen Werkstatt können die Kinder Kaleidoskope basteln.

Auf Begleittexte verzichtet die Schau in Hinblick auf das Alter der Zielgruppe weitgehend. Die Macher setzen auf verbale Vermittlung, die Neugierde sowie die intuitive Auffassungsgabe der Kinder. Ziel sei es, so Ganzer "etwas, was tagtäglich passiert, näher heranzoomen und eine Spur mehr ins Detail gehen." Ein Leitbild, dem das Kindermuseum auch seinen Namen verdankt. So wird den Kindern der Blick in den Spiegel aus einer anderen Perspektive nähergebracht. Man kann ihn nämlich auch detektivisch nutzen, wie ein Spiegel-Labyrinth gleich zu Beginn vor Augen führt. Mittels Knochenschall wird gleich daneben der ganze Körper zum Klangraum. Oder man nimmt das Ohr genauer unter die Lupe - dargestellt als überdimensionale Installation aus Tennisbällen, Trommel, Steigbügel und Staubsaugerteilen.

Wie schnell Schall ist, lässt sich an einer 343 Meter langen Schlauchspule erhören. "Unsere Aufgabe ist es, diesen Moment zu schaffen: In dem man kurz nachdenkt, was Licht ist, was Schall ist", so Ganzer. "Es soll ein spielerischer Zugang sein, um einerseits Lust zu wecken und andererseits Reflexion zu schaffen." Dafür stellt man mitunter - wie eine Station zur Camera Obscura zeigt - die Welt auch auf den Kopf.