Wenn Raimund Hofbauer und Robert Gattringer, beide ehrenamtliche Mitglieder des engagierten Teams des Dorfmuseums Kritzendorf, durch die aktuelle Sonderausstellung führen, lassen sie auf wundersame Weise das Wirtshausleben eines der idyllischsten Orte der Alpenrepublik aufleben. Ein Paradewirtshaus war anno dazumal etwa die Payerhütte, wo es, wie einer in der Schau vorhandenen Speisekarte aus den 1960er Jahren zu entnehmen ist, genau jene Wirtshausklassiker – wie Gulasch, Schweinsbraten oder Geröstete Leber – gab, wie man sie heute in der Wiener Gastronomie gerne vorrätig hätte. Es handelte sich um die "am niedrigsten gelegene Alpenhütte", wie von den Betreibern einst werbemäßig kundgetan wurde.

Aus der im Jahr 1976 geschlossenen Payerhütte ist im Museum eine Kracherlflasche mit Kugelverschluss aus den 1950er Jahren zu sehen. Durch den in der Flasche vorhandenen Druck wurde die Glaskugel gegen einen im Flaschenhals befindlichen Gummiring gepresst. "Zum Öffnen hat man die Kugel mit dem Finger hinuntergedrückt – dann hat es pfrt gemacht", sagt Hofbauer. Wegen dieses (leicht) krachenden Geräuschs hat sich in Österreich für Limonadengetränke die Bezeichnung "Kracherl" eingebürgert.

Das hier abgebildete großformatige Gemälde hing einst über der Schank des Gasthofs zum Braunen Hirschen in Oberkritzendorf. Zwei in der Ausstellung gezeigte Holzkugeln von der einstigen Kegelbahn sowie ein schöner Projektionsapparat für 35 mm Tonfilme aus den 1940er Jahren zeugen von der Hochblüte des Gasthofs zum Braunen Hirschen. Etwa seit Mitte der 1980er Jahre steht er leer, im kommenden Jahr soll das Gebäude abgerissen werden und für neue Wohnbauten Platz machen. Das letzte Wort sei in der Causa aber noch nicht gesprochen, denn Ortsbildschützer möchten das alte Haus gerne zur Wahrung des Dorfcharakters erhalten, so Gattringer.

Bemerkenswert ist, dass es von den alten Kritzendorfer Wirtshäusern jede Menge Postkarten gibt, die sich heute zuhauf in der Sammlung Gattringer finden. Alles in allem hat Gattringer, der die Schau kuratiert, für die relevante Zeitspanne 22 Gaststätten ausfindig gemacht. Gegenwärtig gibt es im Ort sieben solche Betriebe. Und im Gegensatz zum Wiener Wirtshaussterben prosperiert die Kritzendorfer Gastroszene. Erst kürzlich ist mit der Gastwirtschaft Zum Ockermüller ein ganz vorzügliches Lokal hinzugekommen.

Print-Artikel erschienen am 17. November 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7