Nachdem Gustav Klimt (1862–1918) sein Atelier in der Wiener Josefstädter Straße hatte aufgeben müssen, übersiedelte er 1911/12 nach Unter Sankt Veit (Wien-Hietzing) in die Feldmühlgasse 9 (heute Feldmühlgasse 11). Bemerkenswerterweise hatte er abermals ein Biedermeiergebäude mit Garten gefunden. Ein solches Umfeld entsprach voll und ganz seiner Liebe zur Natur, die sich bekanntlich auch in seinen Landschaftsgemälden ausdrückte. Genaugenommen handelte es sich bei seinem neuen Atelier um eines von zwei ebenerdigen Gartenhäusern, die zum weitläufigen Grundbesitz einer Villa in der Hietzinger Hauptstraße 88 gehörten.

Klimts Besucher lobten die Gartenpracht mit den vielen Obstbäumen, Sträuchern und Blumen. "Es war eine Lust, inmitten von Blüten und alten Bäumen dahin zu kommen", überliefert Egon Schiele. Ein anderer Gartenbesucher, der kurz nach Klimts Tod die damaligen Bewohner des ehemaligen Klimt-Ateliers besucht hatte, kam rückblickend regelrecht ins Schwärmen: "Ich glaube, daß es kaum einen Menschen gegeben hat, der nicht, so wie ich, beim Anblick dieses Zaubergartens ins Schwärmen gekommen wäre."

Später geriet das Atelier in Vergessenheit. An der Stelle des von Klimt benutzten Gartenhauses befand sich seit 1922/23 eine einstöckige Villa im neobarocken Stil, deren Eigentümerin Ernestina Klein 1939 infolge politischen Drucks Österreich verließ. Nachdem die Villa 1949 restituiert worden war, erwarb sie 1954 die Republik Österreich, und das Gebäude wurde fortan für Schulzwecke genützt. Seit 1984 stand die Villa leer. Nachdem amtlicherseits festgestellt worden war, dass bei dem Objekt keine Verbindung zu Klimt bestehe, drohte in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre der Abriss.

In dieser Situation etablierte sich eine Bürgerbewegung, und es wurde von Herbert Rasinger und Gerhard Weissenbacher der Nachweis erbracht, dass im Erdgeschoss der Villa die originalen Räume des ehemaligen Klimt-Ateliers erhalten sind. Womöglich hatte ja die damalige Grundstücksbesitzerin bei ihrem Bauvorhaben 1922/23, um Klimts Räume zu erhalten, einem allenfalls teureren Umbau gegenüber einem billigeren Neubau den Vorzug gegeben?

Jedenfalls setzten ab 1998 nachhaltige Bestrebungen ein, Klimts Atelier und Garten zu erhalten. 2007 übernahm das Belvedere die Zuständigkeit für die Liegenschaft und beabsichtigte den Rückbau der Villa auf den Zustand von Klimts Gartenhäuschen, was aber am Widerstand von amtlichen Stellen, vor allem der Öffentlichkeit, scheiterte.

In weiterer Folge wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt, renoviert und museal für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Da von Klimts Atelier Fotoaufnahmen vorhanden sind, wurde das Untergeschoss äußerst geschickt mit Repliken (Möbel, Teppich, Gemälde etc.) ausgestattet, was die Aura des heute als "Klimt Villa" firmierenden Hauses beträchtlich aufwertet. Das Obergeschoss der Villa wird heute für ein ambitioniertes Kulturprogramm genützt.

Print-Artikel erschienen am 24. November 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7