Barcelona. Eine rosafarbene Tür mit einem überdimensionalen Schlüsselloch in der Mitte heißt die Besucher im Centre de Cultura Contemporània de Barcelona (CCCB) zur wohl erotischsten Ausstellung des Jahres willkommen. Hier wird wohl mehr als nur Kunst konsumiert.

Tatsächlich wird der Ausstellungsbesucher zu einer Art Voyeur, zu einem Spanner, der anderen Personen beim Sex zuschaut. Doch geht es nicht primär um die sexuelle Handlung, sondern vielmehr um den Ort, an dem sie stattfindet. Die Exposition "1000 m² Begierde. Architektur und Sexualität" möchte nämlich mit 250 Zeichnungen, Büchern, Filmen, Design-Gegenständen, Architekturplänen und Fotografien darstellen, wie Architekten und Künstler in den vergangenen 200 Jahren "Orte der Lust" erschufen und erdachten.

Lustschlösser

Die Ausstellung beginnt vergleichsweise prüde - mit Plänen für "Oikema. Tempel für die öffentliche Liebe" des französischen Architekten Claude-Nicolas Ledoux aus dem Jahre 1775. Sein ebenfalls ausgestellter Essay "Die Architektur unter dem Gesichtspunkt der Kunst, Moral und Gesetzgebung betrachtet" lässt erahnen, dass es sich um Orte handelte, bei denen es mehr darum ging, die Moral zu wahren, als ein angenehmes Liebesnest zu schaffen.

Ledoux Pläne basierten in den Jahren vor der Französischen Revolution auf den Gedanken des französischen Romanciers Nicolas Edme Restif de la Bretonne. In seinem 1769 veröffentlichten Buch "Der Pornograph. Vorschläge eines Mannes von Stand für einen Plan der Reglementierung der Prostitution. Geeignet, das Unheil zu verhindern, das durch öffentliche Frauen verursacht wird" fordert er eine regulierte Unterbringung der Straßenmädchen in Paris. Im Kontrast zu diesen nüchternen, staatlich verwalteten Hurenhäusern, stehen die imaginären Lustschlösser eines Marquis de Sade, dessen sexuell-sadistischen Ideen gleich in der Nachbarvitrine liegen. Wie die Evolution architektonischer Lust-Orte weiterging, illustrieren ein Modellbau von Ricardo Bofills "Walden 7" und Rem Koolhaas Zeichnungen vom "Exodus oder die freiwilligen Gefangenen der Architektur".

Das sanfte Licht und die gedämpfte Atmosphäre um De Sades, Ledoux und Koolhaas Werke werden nur wenige Meter weiter durch Nicolas Schöffers "Zentrum für sexuelle Freizeitgestaltung" schroff unterbrochen. Spiegel, sexuell stimulierende Akustik, Videoinstallationen und Skulpturen lassen sein rosarotes Kunstwerk zu einem einzigen Eros-Center werden. Wesentlich ruhiger erdachte sich die Künstlergruppe Archigram in ihrer Fotocollage-Serie mit Werken wie "Erregte Städte" Räume der Begierde.