Schattenspielszene: Der Tempel des Sun Wu. - © Österreichisches Institut für China- und Südostasienforschung
Schattenspielszene: Der Tempel des Sun Wu. - © Österreichisches Institut für China- und Südostasienforschung

Ein Geheimtipp für all jene, die an chinesischer Kultur interessiert sind, ist die Galerie des Österreichischen Instituts für China- und Südostasienforschung im Innenhof des Hauses Josefstädter Straße 20 im 8. Wiener Gemeindebezirk. Sie beherbergt Sammlungen, welche nicht nur in Österreich, sondern sogar europaweit als einzigartig gelten dürfen.

Zu den Highlights zählen etwa die rund tausend chinesischen Holz- und Scherenschnitte aus den berühmtesten Zentren; mit ähnlichem Umfang sind Artefakte der chinesischen Bauernmalerei vorhanden. Weiters gibt es ausgesuchte Exponate zu chinesischen Jahres- und Lebensfesten, seltene Blätter chinesischer christlicher Kunst, Holzschnitzereien aus dem Mekka der chinesischen Schnitzer in Dongyang sowie museale Tonfiguren aus Wuxi und anderen Orten. Eine herausragende Zimelie ist der große Wandteppich aus dem Pekinger Kaiserpalast, der in seiner Darstellung und Funktion des chinesischen Kaisers ein Unikat ist. Auch traditionelles chinesisches Spielzeug, Kostüme und Dokumentationen zur Pekingoper sowie Schattenspielfiguren aus Rinds- und Kamelleder zählen zu den Sammlungsbeständen.

Gerd Kaminski: Österreich und China im Bild 1624–2016. Bacopa Verlag, 44 Euro.
Gerd Kaminski: Österreich und China im Bild 1624–2016. Bacopa Verlag, 44 Euro.

Bei dem hier abgebildeten Objekt, welches permanent in der Galerie des Instituts ausgestellt ist, handelt es sich um eine Leinwand mit Schattenspielfiguren. Die Story geht auf das 12. Jahrhundert zurück, als die Jin Tartaren, die im Norden Chinas siedelten, Gebiete der chinesischen Song-Dynastie annektierten. Die Schilderungen des Abwehrkampfes gegen die nördlichen Barbaren sind überaus blutig. Jede Szene hat eine spezifische Bedeutung: Das mit Pfeilen gespickte Pferd versinnbildlicht eine verlorene Schlacht. Der knieende Enkel "beichtet" seinem Großvater die Niederlage. Wegen des Gesichtsverlustes zerschlägt sich dieser dann den Kopf an dem rechts davon stehenden Grabstein eines erfolgreichen Ahnen . . .

Zahlreiche Aktivitäten

Mit ihren Sammlungen geht die Galerie regelmäßig in die österreichischen Bundesländer. Erst im vorigen Jahr beschickte sie mit chinesischen Fabeltieren einen Gutteil der Jahresausstellung auf Schloss Halbturn.

Für Wien ist im Mai 2017 im K1 eine Präsentation moderner chinesischer Kunst geplant. Und im Herbst 2017 wird die Galerie mit einer Ausstellung über Schattenspiel im Bergerhaus in Gumpoldskirchen gastieren.

In den eigenen Räumen in der Josefstädter Straße wurde kürzlich traditionelle Malerei mit Szenen aus dem Traum der Roten Kammer gezeigt. Ab 7. Juni 2017 ist dort eine Werkschau des chinesischen Malers und Lehmden-Schülers Mak Xiutim zu sehen.

Wer an diesem Kulturbetrieb des Institutes und der Österreichisch-Chinesischen Gesellschaft näheres Interesse hat, kann viele interessante Aspekte einem reichlich illustrierten Buch des Institutsleiters Prof. Gerd Kaminski entnehmen. Die Publikation wurde kürzlich von Hugo Portisch im Österreichischen Parlament vorgestellt.

Print-Artikel erschienen am 9. Februar 2017
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7