Bei Kaiserwetter ging am Sonntag, dem 13. Mai 1888 die Enthüllung des zwischen den Hofmuseen platzierten Maria-Theresien-Denkmals über die Bühne. Schon seit geraumer Zeit hatten die Gazetten Einzelheiten über das von Caspar Zumbusch konzipierte Monument berichtet. So hatte das "Neuigkeits-Welt-Blatt" in seiner Ausgabe vom 25. August 1887 die Überführung der Hauptstatue kommentiert. Die hier abgedruckte Illustration zu diesem Bericht zeigt das Fuhrwerk mit der Kaiserinnenfigur vor der Karlskirche. Für deren Beförderung hatte man einen Wagen herangezogen, der üblicherweise zum Transport von Lokomotiven verwendet wurde.

Der Festakt mit der Enthüllung des von Kaiser Franz Joseph I. im Februar 1873 in Auftrag gegebenen Denkmals gestaltete sich als Staatsakt, bei dem nicht nur die erlauchteste Prominenz aus dem Kaiserreich zugegen war; auch aus anderen Ländern waren hochgestellte Herrschaften extra angereist.

Rund um das Denkmal hatten die Zöglinge des k. k. Waisenhauses und weiterer unter der Regierung Maria Theresias gegründeten Institutionen Aufstellung genommen, allerlei Garden waren aufmarschiert, und auf den zehn Tribünen befanden sich rund 10.000 Ehrengäste aus Wien und allen möglichen Regionen der Monarchie.

Transport der Hauptstatue des Wiener Maria-Theresien-Denkmals. Illustration im "Neuigkeits-Welt-Blatt" vom 25. August 1887. - © Österreichische Nationalbibliothek
Transport der Hauptstatue des Wiener Maria-Theresien-Denkmals. Illustration im "Neuigkeits-Welt-Blatt" vom 25. August 1887. - © Österreichische Nationalbibliothek

Um 13 Uhr erschien, unter hymnischen Klängen, das Kaiserpaar. Wie immer erweckte der Auftritt Sisis, die unter einem Sonnenschirmchen einherspazierte, allgemeine Bewunderung. Sogleich begaben sich die Majestäten in das für sie errichtete Hofzelt. Nachdem Kaiser Franz Joseph, wie die "Wiener Zeitung" tags darauf berichtete, "huldvollst" eine Denkschrift entgegengenommen hatte, erteilte er den Befehl zur Enthüllung des Denkmals.

Als der Vorhang rund um das Monument gefallen war, verharrte das Publikum zunächst in feierlicher Stille. Der Kaiser erhob sich und entblößte sein Haupt, welchem Beispiel alle Anwesenden folgten. Dreimalige Hoch-Rufe ertönten aus tausenden Kehlen. Dann erschallte die Volkshymne. Hernach feuerten alle angerückten Truppen Salven ab. "In das Knattern der Gewehre mischte sich der dumpfe Schall der beim oberen Belvedere aufgeführten Geschütze, welche hundert und einen Schuss abgaben", explizierte die "Wiener Zeitung" in ihrer Nachbetrachtung.

Nach dem obligaten Festgottesdienst beehrte der Kaiser den Schöpfer des Denkmals und weitere Herrschaften mit persönlichen Gesprächen. Sodann schritten die Kaiserlichen unter Hoch-Rufen des Publikums von dannen.

Print-Artikel erschienen am 9. März 2017
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7