Florenz/Wien. Mächtig erhebt sich der Palazzo Pitti über seinen großen Vorplatz. Das Museum jenseits der Ponte Vecchio, auf der Südseite des Arno, gehört seit der jüngsten Museumsreform zu den Florentiner Uffizien. In seiner Modernen Galerie zeigt man vor allem Kunst des 19. Jahrhunderts. Aber am Freitag hat die zeitgenössische "Woman Power" Einzug gehalten: In Form der Österreicherin Maria Lassnig.

Zu verdanken ist es der Initiative des neuen Uffizien-Direktors Eike Schmidt, der sich entschlossen hat, zeitgenössische Kunst in rein weiblicher Form ins Haus zu holen. Und dem Impuls von Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder, der als erste Proponentin dieser Reihe die vor drei Jahren gestorbene Maria Lassnig vorschlug - zusammen mit dem Angebot, die Ausstellung aus den Beständen der Sammlung Essl zu ermöglichen.


Link-Tipps
"Maria Lassnig: Woman Power", 25. März bis 25. Juni, www.uffizi.at
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Großer Publikumsandrang

"Obwohl ihre Malerei staunen machte, wurde Maria Lassnig lange unterschätzt", freute sich Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ), der die Ausstellung bei großem Publikumsandrang eröffnete, über die Würdigung "an diesem besonderen Ort" und wollte sich vor allem als "begeisterter Botschafter einer ganz großen Malerin" verstanden wissen.

Botschafter für Maria Lassnig brauchte es in Italien tatsächlich. Zwar erhielt sie 2013 den Goldenen Lebenswerk-Löwen der Biennale, aber dennoch: "Es gab hier praktisch keine Rezeption", so Schröder. "Deshalb war es auch wichtig, an einem so bedeutenden Ort auszustellen, mit einer Retrospektive über alle Schaffensphasen und ausschließlich mit Hauptwerken."

Es ist eine dichte, qualitativ bestechende Ausstellung mit weniger als 30 Arbeiten geworden. In den fast kabinettartigen, verschachtelten Räumen des Andito degli Angiolini sind sie dennoch großzügig gehängt, jedes der Bilder hat eine eigene Wand, die kleinen Räume schaffen "eine Intimität, mit der sie ja eigentlich auch gemalt hat", so Schröder. Beinahe chronologisch führen die Zimmer durch fünf Jahrzehnte eines Werks, das in seiner motivischen Konsequenz und unverwechselbaren Koloration geradezu ikonischen Charakter hat.

Ihr radikaler Entschluss, nicht die äußere Wahrnehmung, sondern die innere Körperempfindung zum Gegenstand ihrer Malerei zu machen, mündete folgerichtig in einer fast ununterbrochenen Serie von Selbstporträts. Dass Lassnig damit geradezu prototypisch in die seit dem 16. Jahrhundert auf Selbstporträts spezialisierten Uffizien passt, ist aber reiner Zufall. Immerhin konnte das Haus ein Bild aus 1982 sogar aus der eigenen Sammlung beisteuern.

"Lassnig ist nicht nur eine der bedeutendsten Malerinnen Österreichs, sondern einer ganzen Generation", betonte Uffizien-Direktor Schmidt, der Ausstellungstext würdigt sie neben Louise Bourgeios und Joan Mitchell als wichtigste Protagonistin des künstlerischen 20. Jahrhunderts.

Aber Wolfgang Drechsler, der die Schau kuratiert hat und bereits seit 1985 bei zahlreichen Präsentationen mit der Künstlerin zusammenarbeitete, wusste auch, was sie, die immer etwas zu kritisieren gehabt habe, "an dieser Ausstellung ganz besonders geärgert hätte: die Verbindung mit dem Feminismus". Denn Maria Lassnig wollte nicht als weibliche Malerin, sondern als Malerin generell gewürdigt werden. "Jedenfalls in Österreich hat sie alle ihre männlichen Kollegen überholt."

Neben den Bildern aus der Sammlung Essl hat die Albertina auch andere Lassnig-Bilder geliehen - etwa aus der Sammlung Batliner - daneben steuerte auch die Lassnig Stiftung zwei Gemälde bei. "Derzeit ist sehr viel im Umlauf", berichtete deren Leiter Peter Pakesch im APA-Gespräch. Neben Florenz sind große Ausstellungen in Athen - parallel zur documenta - sowie die für die Tate gestaltete Personale, die aktuell in Essen Station macht, zu sehen. Und ab Mai würdigt man in der Albertina die Zeichnerin Lassnig. "Das ist noch einmal ein ganz eigener Kosmos", so Pakesch.

2019 - zum 100. Geburtstag der Malerin - geht es dann in großem Maßstab weiter. Eine große Retrospektive wird im Stedelijk Museum in Amsterdam starten und im Herbst an die Albertina kommen - weitere Stationen sind noch in Planung.