Adolf Ritter von Guttenberg (1839–1917). - © Universitätsarchiv für Bodenkultur, Wien
Adolf Ritter von Guttenberg (1839–1917). - © Universitätsarchiv für Bodenkultur, Wien

Die im Jahr 1872 eröffnete Wiener Hochschule für Bodenkultur (heute Universität für Bodenkultur – kurz Boku – alias Alma mater viridis) ist seit ihrer Gründung zu einer beachtlichen Institution herangewachsen. Rund um das erste Hochschulgebäude an der Gregor-Mendel-Straße in Wien-Währing gibt es mittlerweile eine Anzahl von Gebäuden, die von der Boku genützt werden. Eine Reihe von Häusern ist nach berühmten Wissenschaftern der Boku benannt.

An der Feistmantelstraße, nicht weit vom Hauptgebäude der Boku entfernt, befindet sich das Adolf-von-Guttenberg-Haus. Dessen Benennung nach Adolf Ritter von Guttenberg erfolgte in einer Sitzung des Professorenkollegiums vom 7. Juli 1960.

Guttenberg, der ab 1877 als außerordentlicher und ab 1878 als ordentlicher Professor an der Boku für die forstlichen Betriebsfächer zuständig war, wurde in weiterer Folge dreimal zum Rektor gewählt. Für seine fachliche Kompetenz sollte der Forstwissenschafter im Laufe seiner Karriere zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Über sein Verständnis, wie an einer Hochschule zu lehren sei, äußerte sich Wilhelm Tischendorff, letzter Assistent Guttenbergs und einer seiner Nachfolger im Lehramt, 1933 anlässlich der Denkmalenthüllung für Adolf von Guttenberg im Wiener Türkenschanzpark: "Er liebte die Jugend, insbesondere seine Studenten, er war ihnen väterlicher Freund und Berater und wurde von der Jugend ebenso geliebt und verehrt."

Das Adolf-von-Guttenberg-Haus der Universität für Bodenkultur an der Feistmantelstraße vom Wiener Türkenschanzpark aus gesehen. - © Peter Wiltsche
Das Adolf-von-Guttenberg-Haus der Universität für Bodenkultur an der Feistmantelstraße vom Wiener Türkenschanzpark aus gesehen. - © Peter Wiltsche

Höchst bemerkenswert ist Guttenbergs Rolle als Pionier des Naturschutzes in Österreich. Sowohl in seiner Position als Forstwissenschafter als auch in seiner Funktion als Alpinist strich er das Erfordernis des Eintretens für den Naturschutz hervor.

Förderer des Nationalpark-Gedankens

Während andere damals enthusiastisch den aufkeimenden technischen Fortschritt feierten, machte sich Guttenberg bereits ernsthaft Sorgen etwa um die Erhaltung der Gewässer, um gefährdete Tierarten, um Beeinträchtigungen der Natur durch den Tourismus oder um den ästhetischen Wert des Waldes und der Naturlandschaft.

Nachdem Guttenberg bis zu seinem 72. Lebensjahr an der Wiener Boku als Professor gewirkt hatte, emeritierte er 1911 und gründete im Jahr 1912 den österreichischen Verein Naturschutzpark. Von diesem wurde in den folgenden Jahren im Salzburger Stubachtal in den Hohen Tauern eine rund 100 Quadratkilometer große Alm- und Weidefläche samt Gewässerbereich teils angekauft und teils gepachtet, womit für den heutigen Nationalpark Hohe Tauern der Grundstein gelegt war.

Print-Artikel erschienen am 13. April 2017
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7