Kaiserin Maria Theresia, Ölgemälde mit Prunkrahmen, um 1780 (l.) und der Hut eines Offiziers der königlich ungarischen Gendarmerie (r.). - © Johann Werfring
Kaiserin Maria Theresia, Ölgemälde mit Prunkrahmen, um 1780 (l.) und der Hut eines Offiziers der königlich ungarischen Gendarmerie (r.). - © Johann Werfring

Gleich zwei Museen und ein Restaurant betreibt Erich Emberger im Piaristenkeller in der Wiener Josefstadt. Sowohl die beiden Museen als auch das Restaurant sind eng mit der Geschichte Österreichs und jener des bis 1918 regierenden Kaiserhauses verbunden.

Ehe Emberger vor 36 Jahren den Keller übernommen hatte, war er nahezu
20 Jahre lang mit Design und Handel von Trachten beschäftigt gewesen. "Kaiser Franz Joseph, der als Jäger oft mit Lederhose und Janker aufgetreten ist, hat die Tracht hoffähig gemacht", sagt Emberger. Insofern hatte er bereits zu jener Zeit ein Faible für die Kultur des Hofes und den vorletzten österreichischen Monarchen entwickelt.

Nachdem der historisch interessierte und mittlerweile zum Kommerzialrat aufgestiegene Gastronom immer intensiver in die Geschichte der Piaristen in der Josefstadt eingetaucht war, hatte er herausgefunden, dass die Mönche und deren Kloster- sowie Kirchenensemble der kaiserlichen Familie, insbesondere Leopold I. und Maria Theresia, nicht wenig zu verdanken haben.

So kam es, dass die Habsburger im Piaristenkeller eine zunehmend wichtige Rolle zu spielen begannen. Im Lauf der Jahre kaufte und ersteigerte Emberger eine Vielzahl an originalen Gemälden, Skulpturen und sonstigen Kunstwerken mit Bezug zur Kaiserfamilie und integrierte diese in kunstsinniger Weise in seinen Keller. Eines der wertvollsten Objekte ist ein Porträt der Kaiserin Maria Theresia aus der Zeit um 1770 mit Prunkrahmen. Zu seinen Lieblingsobjekten zählt Emberger auch ein Ölgemälde aus dem Jahr 1909 von Julius von Blaas, darstellend Kaiser Franz Joseph I. zu Pferde im Manövergelände. Die Objekte der grandiosen Kunstsammlung sind über das Restaurant, die beiden Museen und weitere Nebenräume verteilt und dienen dem Keller als Dauerleihgabe der von Erich Emberger errichteten Kunstsammlung Kaiser Franz Joseph Privatstiftung.

Weinpokal aus dem Privatbesitz Kaiserin Maria Theresias. - © Johann Werfring
Weinpokal aus dem Privatbesitz Kaiserin Maria Theresias. - © Johann Werfring

Der Delfin als Sisis Steckenpferd

Die Weinschatzkammer des Weinmuseums im Piaristenkeller ist ein der Kaiserin Elisabeth (Sisi) gewidmeter – künstlerisch hochwertig ausgestatteter – Prunktresorraum, worin Weinraritäten aus drei Jahrhunderten eingelagert sind. Unter anderem befinden sich darunter zehn Bouteillen Madeira aus dem Geburtsjahrgang der Kaiserin Elisabeth (1837). Bis vor kurzem war im Piaristenkeller übrigens auch das von Sisi selbst entworfene Tafelgeschirr aus Korfu ausgestellt, darunter die mit den "Sisi-Delfinen" verzierten Gläser, aus denen sie ihren Wein konsumiert hatte.

Das Hutmuseum schließlich bietet eine Reihe von originalen Hüten und Uniformkappen mit Sammlungsschwerpunkt 1860 bis 1918. Als besondere Attraktion ließ Erich Emberger rund 400 aufwendig gestaltete Nachbildungen von kaiserzeitlichen Hüten anfertigen, welche die Museumsbesucher bei ihrem Rundgang tragen dürfen. Entsprechende Fotografien zählen bei Wienreisenden in so manchem Falle zu den bevorzugten Erinnerungsobjekten.

Print-Artikel erschienen am 18. Mai 2017
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7