Übersiedlung von fragilen Zeitzeugen: Rumpf einer Pischof-Autoplan von 1910. - © TMW/Michaela Stankovsky
Übersiedlung von fragilen Zeitzeugen: Rumpf einer Pischof-Autoplan von 1910. - © TMW/Michaela Stankovsky

Wien/Haringsee. Zeugen des technischen Fortschrittes zu sammeln, zu erhalten und auszustellen, erfordert neben Akribie und konservatorischem Wissen vor allem Platz. Je größer die Exponate, desto mehr Platz. Das Technische Museum Wien verfügt über die denkbar größten Museumsobjekte - Dampflokomotiven, Zahnradbahnen, Flugzeuge, Autos oder auch gigantische Überreste von schwerem Gerät aus den vielen Stufen der Industrialisierung. 160.000 Objekte umfasst die Sammlung des Hauses derzeit, lediglich 10 Prozent davon sind aktuell im Museum selbst ausgestellt. Der Rest lagert in insgesamt drei Depots in Wien und Niederösterreich. Einer dieser Standorte - der mit den großen Industrie- und Verkehrsobjekten - wurde nun übersiedelt. Ein Lokalaugenschein.

Inmitten von Erdäpfel- und Getreidefeldern, umgeben von idyllischen Kirschbaumalleen liegt etwa 30 Kilometer nordöstlich von Wien der kleine Ort Haringsee. Was hinter seinen überschaubaren Straßenzügen lagert, findet sich nur mit Anfahrtsplan. Auf freiem Feld entsteht dort gerade ein Kultur-Lager-Park. Gebaut und verwaltet von der Art for Art, dem Ausstatter der Bundestheater. In neun Hallen lagern hier Bühnenbilder, Kulissen und Requisiten für Opern- und Schauspielproduktionen der großen Wiener Bühnen. Die zehnte und gerade erst bezogene dieser grauen, unscheinbaren Industriehallen ist für und mit dem Technischen Museum entstanden. Was die dreiteilige Halle birgt, lässt sich von weitem erkennen: Zwei Stahlgiganten schmücken den Vorplatz. Sie sind mit je 50 Tonnen die schwersten Exponate: eine Dampfpresse und ein imposanter Brettfallhammer, die beide ab 1910 in der Industrie zum Einsatz kamen.

Das Innere des 8.500 m2 großen Depots ist weniger imposant als nüchtern und ordentlich. Was genau unter den vielen schützenden weißen Stoffbahnen schlummert, lässt sich nur bei wenigen Objekten erkennen. Hier ein Automobil, dort eine Lokomotive, ein Fahrrad oder ein Flugzeugsrumpf. Alle sind sie fein säuberlich mit Strichcodes gekennzeichnet, die Gänge sind breit, bieten Platz für die Gabelstapler, die die oft Tonnen schweren Objekte bewegen.

Von Pferden zu Erdgas

Herr der rund 10.000 hier lagernden Objekte ist Helmut Lackner, Projektleiter des Technischen Museums. Er lüftet hier und dort ein Leintuch, schwärmt von der Fußbodenheizung und der Trocknungsanlage der Halle, konservatorische Idealbedingungen habe man hier mitgestalten können: 15 bis 25 Grad Lufttemperatur bei 45 bis 55 Prozent relativer Luftfeuchte. Die Kosten für die Halle haben sich Art for Art und das Museum geteilt, gut sieben Millionen Euro flossen in die Errichtung, eine Million in die Übersiedlung.