Linz. Das Linzer Kunstmuseum Lentos zeigt ab Freitag Textiles mit viel Tiefgang. Ines Doujak präsentiert ihre ausgefallenen Modekollektionen mit Verweisen auf Textilarbeiterinnen, die in Fabriken verbrennen, Tier- und Menschenhäute und schmutzige Geheimnisse.

Um den Rahmen für die Linzer Schau zu erläutern, musste die neue Lentos-Chefin Hemma Schmutz bei der Presseführung am Donnerstag bis in die 1990er-Jahre ausholen - so lange reicht ihr erster persönlicher Kontakt mit Ines Doujak zurück. Damals ging es um ein Projekt über Geschlechterrollen. 2009 wurde Doujak ein Stipendium für künstlerische Forschung über das Arbeiten mit Textilien zugesprochen. Das Projekt war nur für zwei Jahre veranschlagt, dauert aber schon fast zehn Jahre. Die Forschung bildete die Grundlage für den aktuellen "Teil 2": Aus Entwicklung und Verarbeitung von Textilien wurde 2012 die Idee geboren, diese selbst zu machen - dazu die Kooperation mit diversen Handwerkern.

Sieben Kollektionen in Linz

Die Schau "Ines Doujak. SALE" ist eine Weiterentwicklung von ähnlichen Ausstellungen im Baden-Württembergischen Kunsterverein in Stuttgart und in der Bunkier Sztuki Gallery of Contemporary Art in Krakau. In Linz greifen sieben Kollektionen aus den Jahren 2012 bis 2018 die dunklen Seiten der Modeindustrie auf. Anhand von Collagen, Plakaten, Skulpturen und zahlreichen Kleidungsstücken zeigt die Künstlerin die ausbeuterischen Strukturen, Kolonialismus und globalisierte Produktionsverhältnisse, Geschlechter- und Klassenordnungen von Haute Couture und Massenkleidung auf. Die Grenzen zwischen Fashion-Statement und Kunstwerk verschwimmen. Den Besuchern kann schon das Anschauen genügen, aber wer will, kann auch tiefer hineinsteigen. Berühren, Anprobieren und Fotografieren ist nicht nur möglich sondern sogar erwünscht.

Die 1959 in Klagenfurt geborene Ines Doujak hat an der Hochschule für angewandte Kunst Konzeptkunst studiert. Sie betont: "Ich bin keine reine Textilkünstlerin" und "Textilien haben mich nie interessiert". Aber Stoffe seien eben ein interessantes künstlerisches und auch niederschwelliges Material. Sie würden an die Haut gehen, seien ein sinnliches Erlebnis und seien obendrein die ersten globalen Waren gewesen.