Sie scheint unerschöpflich zu sein, und doch bedeckt fruchtbare Erde nur etwa 10 Prozent der Erdoberfläche - und ihr Anteil schwindet. Stetes Bevölkerungswachstum und die dadurch wesentlich effektiver gemachte Landwirtschaft laugen Böden aus, Umweltschäden und teils vom Menschen verursachte Erosion lassen die lebensnotwendige Ressource ebenso schwinden. Doch Erde ist mehr als nur Ackerboden, der die Grundlage für unsere Ernährung bildet. Sie ist ein unglaublich komplexer, dicht besiedelter Lebensraum, dessen Abläufe sehr eng mit dem Leben des Menschen verbunden sind. Und Erde meint natürlich auch unseren Heimatplaneten, der für sich auch wieder ein fein balanciertes Ökosystem darstellt, in dem wiederum der fruchtbare Boden eine zentrale Rolle spielt.

Nach dem Thema Migration im Vorjahr setzt das Zoom Kindermuseum im Wiener Museumsquartier diesen Herbst auf Ökologie und geht in der Mitmachausstellung "Erde.Erde" dem Erdboden als unserer Lebensgrundlage nach. Sie habe damit ganz bewusst, ein "ökologisch und sozial hochrelevantes Thema" aufgreifen wollen, so Direktorin Elisabeth Menasse-Wiesbauer: "Uns war es wichtig, Kinder für die Frage des nachhaltigen Umgangs mit der Erde und dem Erdboden zu sensibilisieren und ihnen mit allen Sinnen begreifbar zu machen, woraus sich Erdboden zusammensetzt, wie er entsteht und wie wichtig es ist, achtsam und sorgfältig damit umzugehen."

Terraforming: Im Sandkasten spielerisch erproben, wie sich die Erde verändert. - © Zoom/J. J. Kucek
Terraforming: Im Sandkasten spielerisch erproben, wie sich die Erde verändert. - © Zoom/J. J. Kucek

Das Begreifen ist im Zoom traditionell eine nicht ausschließlich intellektuelle Größe - auch hier meint es das Erfahren komplexer Zusammenhänge mit allen Sinnen. Unter der wissenschaftlichen Beratung durch die Universität für Bodenkultur hat Kurator Christian Ganzer mit 25 Künstlerinnen und Künstlern einen interaktiven und kurzweiligen Stationen-Parcours gestaltet. In einem Multimedia-Agrarspiel testen Kinder etwa ihre Fähigkeiten als Landwirte und erfahren, dass die wertvollen Böden durch unsachgemäße Bewirtschaftung, aber auch durch Siedlungs- und Verkehrsflächen bedroht werden. Hier darf (virtuell) gegossen, gedüngt und gepflanzt und werden. Ganz sinnlich wird es nebenan: In einem Labor formen Kinder aus mineralischen und organischen Zutaten sowie Samen und Wasser selbst fruchtbare Erdkügelchen, sogenannte Seedballs. Ein Zeitraffer-Video zeigt dazu, wie unterirdische Wurzelsysteme wachsen.

Maulwurf und Käfer

In einem mit Lehm verputzten Tunnelsystem lernen Kinder nicht nur, dass sich auf einem Quadratmeter Erdboden mehr Lebewesen tummeln, als sich Menschen auf der ganzen Erde befinden, als lustige Bodentiere verkleidet, erkunden sie nicht nur die Funktion von Maulwürfen, Käfern und Würmern, sondern erfahren auch alles über Milben, Asseln oder Mikroorganismen wie Pilze, Algen und Bakterien. Im digitalen Mikroskopie-Labor gibt es dann die Möglichkeit, sich an die kleinen Lebewesen heranzuzoomen. Daneben lassen sich echte Regenwürmer - sie sind für Kurator Ganzer die "Superhelden unter den Erdarbeitern" - in einem Schaukasten beobachten.

Dass Erde auch Speicher und Erinnerung ist, lässt sich bei Grabungsarbeiten erfahren, wie die Erdoberfläche sich durch Wind und Regen wandelt, simuliert ein Sandkasten - Umformungen lassen hier als bunte Projektion Seen, Berge und sogar Lavaströme entstehen. Eine schlichte und schön aufbereitete Austellung - die nicht nur für die eigentliche junge Zielgruppe lehrreich ist.