Bei Interessenvertretungswahlen sei das Interesse ohnehin geringer, sagt Experte Hofer. Er sieht auch eine Art Teufelskreis: Die ÖH sei "nicht gerade wahnsinnig durchsetzungsstark", weshalb sich viele Wahlberechtigte die Sinnfrage stellten. Der geringe Rückhalt unter den Studierenden verhindere, dass die Hochschülerschaft mehr Gewicht bekommt.

Kaderschmiede war einmal

Auch das Image als Kaderschmiede der Parteien - schließlich kamen von Bundespräsident Heinz Fischer über den Wiener Bürgermeister Michael Häupl und Ex-ÖVP-Vizekanzler Wilhelm Molterer bis hin zum Grünen Nationalratsabgeordneten Karl Öllinger unzählige Politiker aus der ÖH -hat die Hochschülerschaft mittlerweile eingebüßt. Nur Maurer schaffte es an prominenter Stelle auf die Bundesliste der Grünen für die Nationalratswahl, eine ihrer Vorgängerinnen an der ÖH-Spitze, Barbara Blaha (VSStÖ), trat 2007 aus Protest gegen die Beibehaltung der Studiengebühren trotz gegenteiliger Ankündigung Kanzler Alfred Gusenbauers aus der SPÖ aus.

Dass die Parteien nicht in größerem Ausmaß ihr Personal in der ÖH rekrutieren, hält Hofer für strategisch ungeschickt. Schließlich diene die Hochschülerschaft nicht nur als Spielfeld, um sich politisch auszutoben, sondern auch als Schule, etwa um Sitzungsdisziplin und Wahlkampfführung zu erproben. Die Parteien brauchen Nachwuchs, aber "sie hindern die Jungen am Aufstieg", so Hofer. Auf der anderen Seite liege es aber auch an den ÖH-Fraktionen, die bewusst die Distanz zur "Mutterpartei" suchten. So liege viel Potenzial brach.

Wie die Listen ihr Potenzial nutzen konnten, wird man am Donnerstagabend sehen.