Geht es hier zur Wahlkabine? Die Wahlbeteiligung dürfte auch heuer eher gering ausfallen. Im Bild: Das Hauptgebäude der Universität Wien. - © Stanislav Jenis
Geht es hier zur Wahlkabine? Die Wahlbeteiligung dürfte auch heuer eher gering ausfallen. Im Bild: Das Hauptgebäude der Universität Wien. - © Stanislav Jenis

Wien. Mit Eiskaffee wurden die Studenten am Donnerstagvormittag vor dem Institutsgebäude der Publizistik in der Währingerstraße in Wien umgarnt – und mit Fragen überhäuft: "Warst du schon wählen? Weißt du, wo du hin musst, und wen du wählst?" Die Unterstützer des Verbands Sozialistischer Studenten (VSStÖ) gaben am letzten Wahltag der Wahl zur Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) noch einmal alles, um zu mobilisieren. An der ÖH-Wahl führte an diesem Institut wahrlich kein Weg vorbei: Vor dem Eingang erinnerten Schmierereien in bunter Kreide daran, wählen zu gehen. Die Wahlbeteiligung unter den rund 260.000 Studierenden ist traditionell gering: 2011 lag sie bei 28,5 Prozent, heuer zeichnet sich ein ähnliches Ergebnis ab.

Im Wahllokal der Publizistik herrscht jedoch ein Kommen und Gehen, und fragt man Publizistikstudentinnen, zeigen sie sich alles andere als politikverdrossen: "Ich finde es wichtig, dass Studenten ein Mitspracherecht haben", sagt Isabel Gebhart zur "Wiener Zeitung", als sie aus der Wahlkabine kommt. Wichtiger als gesellschaftspolitisches Wirken ist ihr, dass die ÖH sie in ihrem Studium unterstützt. Auch Tina Morawitz hat ihre Stimme abgegeben, sie wünscht sich von der ÖH, dass sie bei der Ausverhandlung der Anhebung des Höchstalters für die Familienbeihilfe etwas erreicht. Denn derzeit erhalten Studierende die Familienbeihilfe nur bis zum 24. Lebensjahr.

Wer zu spät eingezahlt hat, durfte nicht wählen
Ebenfalls in der Währingerstraße, einige Hausnummern stadteinwärts, erinnern im Anatomieinstitut der Medizinuniversität nur ein paar Plakatständer an die ÖH-Wahl. Es herrscht gähnende Leere, einzig Christian Hofsepiam sitzt in seinem weißen Kittel in der Aula und kaut an einem Käseweckerl. Er erzählt, er wäre ja gerne wählen gegangen. Doch der 26-Jährige durfte nicht, da er seinen ÖH-Beitrag (17,50 Euro) zu spät eingezahlt hat und er es damit nicht mehr ins Wählerregister geschafft hat.

Dabei ist dem angehenden Mediziner die Studentenvertretung sehr wohl ein Anliegen: "Die Unis sind für die Studenten da. Die Studentenvertreter sollten die politischen Interessen gegenüber der Hochschule durchsetzen, die ÖH kann Einiges erreichen." Für ihn spielt die ÖH auch gesellschaftspolitisch eine Rolle. Darauf, wie weit der Aktionismus gehen soll, will er sich nicht festlegen, sagt aber: "Es ist schon wichtig, dass die ÖH Aktionen setzt." Anna Haschke studiert an der Universität für Musik und Darstellende Kunst, auch sie hat ihr Wahlrecht genutzt. Sie wünscht sich von den Kandidaten, die sie persönlich kennt, Verbesserungen für ihr Studium. Genutzt hat sie in drei Jahren bislang nur die ÖH-Beratung bei der Inskription. Das letzte Wahllokal schloss am Donnerstag um 17 Uhr, das bundesweite Endergebnis wird nach Redaktionsschluss kurz nach Mitternacht, erwartet.

Wissen
Drei Tage lang konnten rund 260.000 Studierende an den 21 Unis ihre Vertreter wählen. Die ÖH-Wahl findet alle zwei Jahre statt, stimmberechtigt sind nur jene, die den Studienbeitrag bis zum 26. März eingezahlt haben. Der frühe Wahltermin sorgte heuer für das frühe Ende der Frist. Derzeit stellt eine Koalition aus Fachschaftslisten (FLÖ), Grüne und Alternative Studenten (GRAS), Verbands Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) und Fraktion Engagierter Studierender (FEST) die ÖH-Exekutive. Unabhängig von der ÖH-Wahl werden auch die Studentenvertreter von Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen bestimmt - die Resultate dieser Wahlen werden erst später bekanntgegeben.