Doch genau die fehlt der FPÖ - programmatisch wie personell. Auch die Wirtschaftsbeziehungen wie einst unter Schwarz-Blau zu Industriellen wie zu Peter Mitterbauer, Chef des Technologieunternehmens Miba und damals Präsident der Industriellenvereinigung (IV), oder Thomas Prinzhorn, einem erfolgreichen Papierindustriellen, fehlen. Die IV-Länderorganisationen öffnen sich der FPÖ hingegen wieder. Auch der ÖVP-nahe Wirtschaftsbund kann einer Koalition mit der FPÖ hinter vorgehaltener Hand einiges abgewinnen. Sie müsse sich nur entscheiden, wo ihre Prioritäten liegen: bei Migration oder Wirtschaft.

In der Bundespartei machen die führenden Köpfe um das Thema einen großen Bogen. Da ist viel Platz für Haimbuchner, um auf der innenpolitischen Bühne anzuklopfen. An der EU-Mitgliedschaft Österreichs will er nicht rütteln, Forderungen nach Vermögens- oder Wertschöpfungssteuern erteilt er nicht nur eine Absage, "wir lehnen sämtliche neuen Steuern ab". Bei den Pensionen pocht Haimbuchner auf eine gesetzlich verankerte Pensionsautomatik, um eine nachhaltige Finanzierung des Pensionssystems zu gewährleisten. Vor allem will er die Bestimmungen zu Arbeitszeiten und für die Beschäftigung Behinderter lockern, um Arbeitgebern mehr Anreize zu geben, Arbeitssuchende zu beschäftigen. Was das Steuersystem angeht, so zieht der FPÖ-Politiker ein Abgehen vom Individualsystem vor, um Familien zu bevorteilen.

In Summe klingt das wie eine Kampfansage an die SPÖ und eine Koalitionseinladung an die ÖVP. Haimbuchner selbst will sich nicht auf Schwarz-Blau festlegen, vor allem beim Abbau von Förderungen sieht er die Sozialdemokraten als natürlichen Verbündeten der FPÖ gegen die Schwarzen. Und was Pensionsautomatik, Vermögenssteuern oder Arbeitsrecht angeht, so müsse die SPÖ "erkennen, dass sie manche Dinge falsch sieht". Die ÖVP nennt er eine "reine Bauernpartei", die "wo sie nur könne", Reformen verhindere. Die FPÖ? Die sieht Haimbuchner demnächst als "neue Zentrumspartei à la CSU".

Aber sogar Haimbuchner traut seiner Partei nicht hundertprozentig über den Weg, schränkt der doch ein, "eine Regierungsbeteiligung ist immer mit inhaltlichen Abstrichen und Kompromissen verbunden. Das sieht man deutlich an den derzeitigen Regierungsparteien." Haimbuchner spricht aber auch aus der leidvollen Erfahrung der FPÖ-Vergangenheit: "Wenn wir ein, zwei Regierungsbeteiligungen unbeschadet überstehen" werde man sehen, ob die FPÖ mit ihrer Leidenschaft für Spaltungen abgeschlossen hat. Zumal die Spaltungen nicht ideologischer, sondern persönlicher Natur gewesen seien. Haimbuchers Rat nach Wien: Starke Persönlichkeiten und Pluralität zulassen. Für eine Koalition braucht die FPÖ eine Linie - sonst droht erneut der Abgrund.