Präsident in spe: Parlamentschef Krasnoselski. - © afp/Mamontov
Präsident in spe: Parlamentschef Krasnoselski. - © afp/Mamontov

Tiraspol/Moskau. (apa/dpa/afp) Das Separatistengebiet Transnistrien in der Ex-Sowjetrepublik Moldau hat am vergangenen Sonntag "Präsidentenwahlen" abgehalten. Die Wahlkommission in der Hauptstadt Tiraspol erklärte die Wahl gegen Mittag für gültig, weil mehr als 25 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben hatten. Auch die Hauptkonkurrenten im Wahlkampf um das Präsidentenamt stimmten bis dahin ab, wie die Agentur Interfax meldete: Jewgeni Schewtschuk als amtierendes Oberhaupt des international nicht anerkannten Staatsgebildes und der Vorsitzende des transnistrischen Parlaments, Wadim Krasnoselski.

Krasnoselski wurde zum neuen Präsidenten gewählt. Wie das russische Umfrageinstitut Wziom auf der Grundlage von Nachwahlbefragungen ermittelte, kam der frühere Innenminister bei der Abstimmung am Sonntag auf 69,8 Prozent der Stimmen. Amtsinhaber Jewgeni Schewtschuk kam demnach auf lediglich 18,8 Prozent.

Vor der Wahl beschwerte sich die Wahlkommission laut Medienberichten über Druck der Regierung Schewtschuks. Im Wahlkampf überzogen der Amtsinhaber und der Herausforderer einander mit Vorwürfen. Tatsächlich ist sich die transnistrische Politik aber einig, einen Beitritt zu Russland anzustreben.

Abgewählt wurde Amtsinhaber Schewtschuk. - © Reuters/Karpukhin
Abgewählt wurde Amtsinhaber Schewtschuk. - © Reuters/Karpukhin

Zwischen EU und Russland

Gestützt auf die Schutzmacht Russland kontrollieren die Separatisten seit 1992 einen schmalen Landstreifen mit knapp 500.000 Einwohnern zwischen dem Fluss Dnjestr und der Grenze zur Ukraine. Transnistrien hatte sich 1990 im Zuge der Auflösung der Sowjetunion von Moldau abgespalten. Seit mehr als 20 Jahren sind dort russische Truppen stationiert. Moskau unterstützt den schmalen Landstreifen mit seiner mehrheitlich russischsprachigen Bevölkerung auch wirtschaftlich und politisch. Allerdings hat bisher kein anderes Land Transnistrien als eigenständigen Staat anerkannt - auch nicht Russland.

1992 kam es im Konflikt um die Unabhängigkeitsbestrebung zu einem mehrmonatigen Bürgerkrieg mit mehr als 1000 Toten. Seither bemühen sich Russland, die USA, Ukraine, EU und OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) um Vermittlung - 2017 wird Österreich den Vorsitz übernehmen.

Ähnlich wie die benachbarte Ukraine ist die rumänischsprachige Republik Moldau zerrissen zwischen Befürwortern einer engeren Anbindung an die EU und einer Hinwendung zu Russland. Seit Juli 2014 ist Moldau mit der Europäischen Union durch ein Assoziierungsabkommen verbunden. Die Präsidentschaftswahl im November hatte der prorussische Sozialist Igor Dodon gewonnen, der Moldawien wieder enger an Russland binden will.