Wien. Zum Abschluss hat sich Österreich noch mit einer Kurzzeit-Vorsitzenden in die Annalen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) eingetragen: 14 Tage lang wird die neue Außenministerin Karin Kneissl an der OSZE-Spitze gestanden sein, wenn sie ihr Amt mit dem Läuten der Pummerin in der Silvesternacht an ihren italienischen Amtskollegen Angelino Alfano abgibt.

Parlaments-Wahlen in Italien

Kneissl hatte mit ihrer Angelobung automatisch den OSZE-Vorsitz übernommen, der jeweils dem amtierenden Außenminister des jährlich wechselnden Vorsitzlandes zukommt. Ihr Nachfolger dürfte länger an der OSZE-Spitze bleiben, aber kaum das ganze Jahr. In Italien wird nämlich schon im März ein neues Parlament gewählt, und der sizilianische Konservative hat schon im Vorfeld das Handtuch geworfen. OSZE-Generalsekretär Thomas Greminger hofft, dass er Alfano zumindest bis zur Jahresmitte als Ansprechpartner haben wird. Das italienische Vorsitzprogramm will er am 11. Jänner beim Ständigen Rat der Organisation in der Wiener Hofburg präsentieren.

Alfano hatte sich beim OSZE-Ministerrat am 7. und 8. Dezember in der Hofburg "dankbar" für die Leistungen des österreichischen Vorsitzes gezeigt. Neben dem Dauerbrenner Ukraine will sich Italien insbesondere dem Mittelmeerraum widmen. Eine engere Zusammenarbeit mit den südlichen Anrainerländern des Mittelmeerraumes, die schon jetzt Beobachterstatus bei der OSZE haben, soll unter anderem bei der Bewältigung der Herausforderungen der Flüchtlingskrise helfen.

Lob für österreichische Präsidentschaft

Österreich hatte für seinen Vorsitz viele Lorbeeren eingeheimst. OSZE-Kenner lobten vor allem das kompetente Diplomatenteam um die Botschafter Clemens Koja, Florian Raunig und Christian Strohal. Der "Make-or-break"-Moment der österreichischen Präsidentschaft war Anfang Juli, als die OSZE erstmals in ihrer Geschichte ohne seine vier Spitzendiplomaten dastand. Zwei Wochen dauerte die Personalkrise, ehe bei einem informellen Ministertreffen im niederösterreichischen Mauerbach am 11. Juli eine Einigung verkündet wurde.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow, der zuvor monatelang den Blockierer gespielt hatte, hob im Luxushotel im Wienerwald öffentlichkeitswirksam den Daumen. Gleich setzten Spekulationen ein, es habe sich um Wahlkampfhilfe für den kurz davor inthronisierten ÖVP-Chef Kurz gehandelt. Vier Monate später gewann Kurz die Wahl und holte die russlandfreundliche FPÖ in die Regierung.