Rom. Als vor einigen Wochen die Meldung auf die Schreibtische flatterte, dass Eintrittskarten in die vatikanischen Museen nur mehr gegen Bargeld ausgefolgt werden, weil die italienische Finanzaufsicht den Scheck- und Kreditkartenverkehr der Vatikanbank mit EU-Geldhäusern gestoppt hat, erhielt der oftmals geäußerte Verdacht, dass über Kirchenkonten Schwarzgeld gewaschen wird, neue Nahrung.

Seit Jahren drängen die europäische und die italienische Bankenaufsichtsbehörde die Bankiers des Papstes, die für alle EU-Institute vorgeschriebene Regeln zur Verhinderung von Geldwäsche auch innerhalb des Vatikans anzuwenden, aber im Kirchenstaat lässt man sich nicht gerne in die Bücher schauen. Kenner der internationalen Finanzszene vermuten, dass in der Vergangenheit Diktatoren aus der Dritten Welt, Mafia-Paten, korrupte Politiker und Steuerhinterzieher ihre Konten bei der Vatikan-Bank zur Geldwäsche benutzt haben.

Bank seit 1944


1942 hatte Papst Pius XII. die im späten 19. Jahrhundert gegründete Sammel- und Verwaltungsstelle AOR für das nach der Zerschlagung des Kirchenstaats übrig gebliebene päpstliche Restvermögen in Institut für die Religiösen Werke (IOR) umbenannt und es zwei Jahre später zu einer eigenständigen Bank gemacht.

Ende der Siebzigerjahre flog ein Skandal um undurchsichtige Geschäfte auf, die das IOR und die Mailänder Banco Ambrosiano mit der Mafia gemacht hatten. Im Mittelpunkt standen der damalige IOR-Chef, Erzbischof Paul Casimir Marcinkus und der Mailänder Bankier Roberto Calvi - auch der Bankier Gottes genannt -, der am 17. Juni erhängt unter der Londonor Blackfriars-Brücke aufgefunden wurde, nachdem seine Bank Pleite gemacht hatte. Seine Sekretärin Graziella Corrocher stürzte am gleichen Tag aus einem Fenster in der Mailänder Bank. Erzbischof Marcinkus, der mit Helfershelfern und Calvi mehr als 200 Geisterbanken gegründet hatte, konnte zeitweise nicht den Vatikan verlassen, weil es einen Haftbefehl gegen ihn gab. Über Calvis Banco Ambrosiano soll eine geheime Finanzierung der polnischen Solidarnosc-Gewerkschaft abgewickelt worden sein.

Nach Calvi sollte im März 1986 ein weiterer Bankier mit Verbindungen zu Kirche und Mafia unter seltsamen Umständen sterben. Michele Sindona starb in einem Hochsicherheitsgefängnis an Zyanidvergiftung.

Kardinäle als Aufpasser


Papst Johannes Paul II. richtete eine Aufsichtskommission aus fünf Kardinälen ein, die künftige dunkle Geschäfte des IOR verhindern sollte. Einer der heute dort tätigen Kardinäle ist Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone.

Als der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi 2009 das Enthüllungsbuch "Vatikan AG" veröffentlichte, musste IOR-Präsient Angelo Caloia nach 20 Jahren an der Spitze der Bank zurücktreten. Neuer Bank-Chef wurde ein enger Vertrauter von Papst Benedikt XVI., Ettore Gotti Tedeschi, der neue Regeln durchsetzte und eine eigene Aufsicht schuf, die das IOR und weitere Finanzinstitutionen des Vatikan kontrollieren sollten.

Gegen Gotti Tedeschis Willen wurden diese neuen Regeln im Jänner 2012 aufgeweicht. Gotti Tedeschi machte sich durch diese Transparenzregeln und seine Weigerung, das von der Insolvenz bedrohte Klinik-Imperium San Raffaele des Silvio Berlusconi nahestehenden Geistlichen Don Verze zu retten, einige Feinde. Ende Mai 2012 trat Gotti Tedeschi als IOR-Präsident zurück, nachdem ihm der Aufsichtsrat einstimmig das Misstrauen ausgesprochen hatte.