Vatikanstadt. Der Austausch kurzer, schneller Botschaften erfreut sich im Vatikan zunehmender Beliebtheit. Der Papst twitterte zwar nur kurz, am 28. Februar wird er nicht nur seine Funktion niederlegen, sondern auch seinen Twitter-Account ruhen lassen. Doch neun der 117 Kardinäle, die den Nachfolger des zurückgetretenen Benedikts XVI. wählen werden, nutzen Twitter regelmäßig für Mitteilungen und den Austausch mit den Gläubigen. Auf Twitter-Botschaften aus dem Konklave wird man dennoch vergebens warten: Der Vatikan legte den Teilnehmern der Papstwahl ein striktes Twitterverbot während des Konklaves auf.

Eine Botschaft pro Stunde

Twitter-Star unter den Kardinälen ist der New Yorker Erzbischof Timothy Dolan (@CardinalDolan) mit mehr als 82.000 Followern. Dolan zwitschert mehrmals täglich, unter anderem Bibelverse und seine Meinung zu den Waffengesetzen in den USA. Die Predigten Dolans, der zum engeren Favoriten-Kreis im Rennen um Benedikts Nachfolge zählt, können als Videos auf der Website der Erzdiözese New York www.archny.org abgerufen werden. Zweiter nach Dolan ist Kurienkardinal Gianfranco Ravasi (@CardRavasi) mit 38.000 Followern. Ravasi, der aktuell die Fastenexerzitien für den scheidenden Papst und die Kurie hält, sendet auch von dort mindestens stündlich eine Kurzmessage.

Der Kardinal mit der längsten Erfahrung mit Twitter ist der Mailänder Erzbischof Angelo Scola (@angeloscola), der zu den aussichtsreichsten "Papabili" zählt und schon seit 2009 zwitschert. Der Newcomer in der Liste der Twitter-Kardinäle ist Ruben Salazar Gomez aus Kolumbien (@cardenalruben), der wie der Papst seit vergangenem Dezember einen Twitter-Account hat. Auch der Bostoner Kardinal Séan Patrick O'Malley twittert über seinen Account @CardinalSean.

Tweets gegen Homosexuellen-Ehe

Ravasi twittert vor allem Zitate bekannter Persönlichkeiten, Scola bevorzugt Zitate aus der Bibel. Der Erzbischof von Sao Paulo, Dom Odilo Pedro Scherer (@DomOdiloScherer), unterstützt im Internet mehrere Kampagnen, vor allem gegen die Schwangerschaftsunterbrechung. Der Konklave-Teilnehmer Wilfried Napier aus Südafrika (@CardinalNapier) setzt auf Ironie und appelliert direkt an US-Präsidenten Barack Obama, etwas gegen homosexuelle Ehen zu unternehmen. Kardinal Luis Martinez Sistach aus Spanien (@sistachcardenal) fordert die Gläubigen per Twitter auf, Initiativen für den Frieden und eine ethische Wirtschaft zu fördern.

"Mahony, please stay at home!"

Zum Kreis der aktiven Twitterer zählt auch der Erzbischof von Los Angeles, Kardinal Roger Mahony (@CardinalMahony). Anti-Pädophilieverbände haben seinen Ausschluss aus dem Konklave verlangt, weil er Vorwürfe des Missbrauchs gegen Priester seiner Diözese vertuscht haben soll. Per Twitter verkündete Mahony, dass er trotz der Proteste keine Absicht habe, auf seine Reise nach Rom zu verzichten. "Ich plane, in Rom zu sein, um den neuen Papst zu wählen", schrieb der Kardinal zuletzt auf seinem Twitter-Account. Seine Kritiker reagierten scharf. "Mahony, please stay at home!", hieß es im Internet.

Hohe Online-Reputation

Laut dem Social-Media-Dienstleister Klout, der den Einfluss einzelner Personen im Web misst, genießen die Kardinäle eine hohe Online-Reputation. Auf einer Skala von 1 bis 100 liegt ihr Ansehen im höheren Segment, Kardinal Ravasi kommt sogar auf 79 Punkte.

Mit Ende seiner Amtszeit wird auch der Twitter-Account von Papst Benedikt XVI. (@pontifex) geschlossen. Nach der Papstwahl wird der neue Petrusnachfolger entscheiden müssen, ob er die noch junge Tradition päpstlicher Twitter-Botschaften fortsetzt. Seit dem 12. Dezember twittert der Papst Botschaften. Benedikt XVI. hat mit seinen neun Accounts in verschiedenen Sprachen inzwischen mehr als 2,6 Millionen Follower, darunter allein 1,5 Millionen aus dem englischen Sprachraum. Unter "#pontifex" verschickt er Kurznachrichten auf Englisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Portugiesisch, Polnisch und Arabisch. Seit kurzem twittert er auch auf Lateinisch.