"Ich konnte es nicht glauben. Wir haben circa acht Minuten lang gelacht und gescherzt. Er hat gegen 17 Uhr angerufen, nachdem er mich ein erstes Mal zu Hause nicht erreichen konnte. Er hat mich aufgefordert, für ihn zu beten. Er hat mir seinen Segen erteilt und ich habe eine große Stärke in mir empfunden. Es war der schönste Tag meines Lebens."

Das sagte jüngst der 19-jährige Stefano Cabizza der italienischen Tageszeitung "Il Gazzettino". Wenn der Student der Informationstechnik aus Padua nicht geschwindelt hat, führte er ein achtminütiges Telefonat mit Papst Franziskus, bei dem ihm der Pontifex sogar das Du-Wort anbot und sagte: "Glaubst du, dass die Apostel Jesus gesiezt haben? Oder ihn mit ,Exzellenz‘ angesprochen haben? Sie waren Freunde, wie du und ich jetzt Freunde sind, und unter Freunden duzt man sich".

Anlass für den päpstlichen Anruf war ein Brief an Franziskus, Cabizza hatte ihn nach eigenen Angaben kürzlich bei einem Besuch in Castel Gandolfo einem Kardinal übergeben. Es war nicht das erste Mal, dass der heuer gewählte Bischof von Rom zum Telefon griff, um einen einfachen Menschen anzurufen. Erst vor wenigen Tagen hatte er den Bruder eines im Juni von einem Mitarbeiter erschossenen Tankstellenpächters angerufen und ihn zu trösten versucht.

Es sind solche menschliche Gesten, die den Papst aus Argentinien vielen sympathisch machen. Schon mit seiner Namenswahl und seiner ständigen Mahnung, die Kirche müsse an der Seite der Armen stehen, hat er sein soziales Engagement unterstrichen. Mit seiner Fahrt zur Flüchtlingsinsel Lampedusa hat er gezeigt, dass echte christliche Nächstenliebe weit über die eigenen Landsleute hinausgehen muss. Unermüdlich tritt er für einen Dialog der Kulturen und Religionen ein, im Fehlen eines solchen Dialogs sieht er die "Ursache für alle Kriege, alle Kämpfe, alle bestehenden Probleme".

Den Apostolischen Palast betritt er nur zur Arbeit, sein Wohnsitz bleibt im vatikanischen Gästehaus Santa Marta, wo er nicht nur auf Kurienprälaten, sondern auf viele andere Menschen treffen kann.

Noch steht ihm die Herkulesarbeit der Reform des vatikanischen Apparats bevor, aber Franziskus hat dafür bereits die Weichen gestellt. Für viele ist er auch der Hoffnungsträger dafür, dass sich in der Vatikanbank und in allen Geldgeschäften der Weltkirche "Transparenz und Ehrbarkeit" durchsetzen, wie er selbst es formuliert hat. Sein Motu Proprio (päpstlicher Erlass) vom 8. August, das die Kompetenzen der vatikanischen Finanzaufsichtsbehörde AIF erweitert hat, zielt ganz in diese Richtung.