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Wien. Für Autofahrer wird es immer enger in der Stadt. Neben den vielen Bewohnern, die nach wie vor ein Fahrzeug besitzen, werden die Parkplätze vermehrt auch von den zunehmenden Onlinediensten zugestellt. In der Inneren Stadt ist es nun so weit. Trotz Parkraumbewirtschaft finden weder Bewohner noch Wirtschaftstreibende genügend Platz. Da die Zeiten vorbei sind, in denen Häuser für Parkplätze abgetragen werden, gibt es nur noch eine Lösung. Entweder die Bewohner verzichten auf ein eigenes Auto oder die Wirtschaftstreibenden müssen sich in anderen Bezirken ansiedeln.

Entlang der Konfliktlinie haben nun zwei Parteien Stellung genommen. Auf der einen Seite Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP). Er setzt sich für die Bewohner ein. Sie sollen ihr Auto weiterhin in exklusiven Bewohnerparkplätzen parken dürfen. Auf der anderen Seite steht die Wirtschaftskammer. Beide Parteien haben ihre Klientel befragt, der Bezirksvorsteher die Wähler des 1. Bezirks, die Kammer die Wirtschaftstreibenden. Das Ergebnis der Kammer liegt nun vor.

Bei der von Makam Research durchgeführten Umfrage sprechen sich 64 Prozent der Unternehmer in der Innenstadt und 75 Prozent der Unternehmer in den Bezirken 2 bis 23 für die Öffnung der Anwohnerparkplätze für alle in der Zeit von 8 bis 16 Uhr aus.

"Verschwendete" Parkplätze

"Jeder freie Anwohnerparkplatz ist eine Verschwendung", sagt Walter Ruck, Präsident der Wiener Wirtschaftskammer. "Und leider stehen tagsüber viele dieser Parkplätze ungenutzt leer. Das ist nicht nur ineffizient, sondern auch zutiefst ungerecht."

Befragungen einzelner Bezirke zur Thematik hält Ruck für wenig sinnvoll, weil hier das große Ganze und nicht nur der eigene Vorteil zählen: "Der einzelne Bezirksbewohner wird immer für den reservierten Parkplatz vor der Haustür stimmen. Aber man fragt ja auch nicht Lewis Hamilton, ob er auf Lebenszeit aus der fix reservierten Pole-Position starten möchte", sagt Ruck.

Unterstützung erfährt Ruck von Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres: "Niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten ist es derzeit nicht erlaubt, mit dem Arzt-im-Dienst-Schild während der Ordinationszeiten vor der Ordination zu parken. Gleichzeitig weigert sich die Stadt Wien seit Jahren, Ärztinnen und Ärzten ein Parkpickerl analog zu anderen Unternehmern und den Bedingungen der Bewohner des Bezirks auszustellen."

Auch Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Windisch unterstützt die Wirtschaftstreibenden: "Die tägliche Versorgung der Wienerinnen und Wiener mit saisonalen und regionalen landwirtschaftlichen Produkten ist uns ein wesentliches Anliegen. Dafür bedarf es funktionierender Vertriebswege in der Stadt. Diese erfolgen einerseits durch Belieferung und Betreuung der Marktstände auf den Wiener Märkten und andererseits durch steigende Direktzustellungen an Feinkostläden, die Gastronomie bis hin zum Konsumenten", erklärt Windisch, "Um diese Lieferqualität auch in Zukunft gewährleisten zu können ist es wichtig, dass die für den Transport erforderlichen Fahrzeuge in den Kurzparkzonen abgestellt und auch tagsüber freie Anwohnerparkplätze dafür herangezogen werden können."

Markus Figl beharrt auf Nein zu Öffnung

Derzeit würden jedoch Antragstellungen für "Parkpickerl" wie Servicekarte, Parkkleber, Tagesparkschein oder Parkkarte durch landwirtschaftliche Betriebsführer abgewiesen werden, da dies nur für Gewerbetreibende, aber nicht für landwirtschaftliche Betriebe möglich sei. In diesem Sinne müssten im ersten Schritt die rechtlichen Voraussetzungen zur Gleichstellung mit Gewerbetreibenden getroffen werden.

Bereits im Vorjahr paktierte die Wirtschaftskammer mit Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne), dass Anrainerparkplätze zwischen 8 und 16 Uhr für jeden zu öffnen seien. Der 1. Bezirk stemmte sich jedoch mit aller Vehemenz dagegen und argumentierte, dass die reservierten Zonen - 20 Prozent aller City-Parkplätze - auch tagsüber schon stark ausgelastet seien.

Figl beharrt nach wie vor auf seinem Nein zu einer Öffnung. Viele Stellplätze würden schon jetzt von der Wirtschaft in Anspruch genommen - etwa durch Taxistellplätze, Schanigärten, Ladezonen oder Baustelleneinrichtungen.

"Dass etwa Ärzte oder Landwirte eine Parkkarte haben wollen, ist durchaus verständlich. Da ist Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou der Ansprechpartner der Kammern", erklärt Figl. Aber dafür brauche es keine Öffnung der Bewohnerparkplätze.

Die Bewohnerbefragung des Bezirks zu dem Thema endet am Montag.