Der Physiker Philip Walther, der an der Universität Wien ebenfalls an Quantencomputern forscht, erhielt knapp 900.000 Euro vom US-Militär. "Das Projekt unterstützt Datensicherheit von herkömmlicher Software mithilfe von Quantentechnologie, sodass diese nur einmal verwendet werden kann", heißt es in einer Stellungnahme der Universität. Damit soll Mehrfachverwendung verhindert und besserer Schutz gegen Viren oder Trojaner entwickelt werden.

Spritze gegen Brustkrebs

In einem ganz anderen Feld forscht Christian Singer. Der Wiener Onkologe und Leiter des Brustgesundheitszentrums der MedUni Wien leitet eine Studie im Bereich Brustkrebsprävention, das vom US-Pentagon mit etwa fünf Millionen Euro finanziert wird. "Bisher besteht die präventive Brustkrebstherapie darin, beide Brüste und die Eierstöcke zu entfernen, bekanntestes Beispiel ist Angelina Jolie (US-Schauspielerin, Anm.). Doch diese OP hat ein großes Komplikationsrisiko. Wir testen nun eine sehr leicht verträgliche Spritze, die Frauen mit hohem Krebsrisiko verabreicht wird", erklärt Singer.

Im Rahmen der Studie wird fast 3000 gesunden Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko, einer sogenannten "BRCA1-Mutation", präventiv fünf Jahre lang halbjährlich ein Antikörper verabreicht, der im Knochenstoffwechsel die Effekte von Osteoprotegerin imitiert. Die MedUni Wien kooperiert mit einer Forschungsgruppe der Harvard-Universität, das internationale Team ist in sieben Länder verstreut, Österreich dabei federführend. Die Studie finanziert sich aus verschiedenen Fördertöpfen, auch das deutsche Bildungsministerium, lokale Geldgeber aus Großbritannien und Australien sowie eine Pharmafirma sind beteiligt, "leider niemand von österreichischer Seite", so Singer.

Dass Quantentechnologie für das Militär interessant ist, ist nachvollziehbar. Wieso aber investiert das US-Militär in Brustkrebsprävention? "Die Hintergründe kenne auch ich nicht", sagt der Onkologe, "die Gesundheit von Mitarbeiterinnen des US-Militärs und deren Familien ist sicherlich ein wichtiger Aspekt bei der Unterstützung derartiger Forschungsprojekte." Dass die spätere Anwendung von Forschungsergebnissen bei militärischen Auftraggebern nicht immer eindeutig ist, bestätigt Singer, aber bei seinem Projekt liege der Fall recht einfach: "Wir forschen eindeutig für die Menschen."

Es ist Grundlagenforschung

Der Quantenphysiker Blatt sagt, bei seinem Projekt handle es sich um "Grundlagenforschung, deren konkreter Nutzen im Sinne einer direkten Verwertbarkeit nicht wirklich seriös eingeschätzt werden kann". Letztlich gehe es darum, "Grundbausteine für einen zukünftigen Quantencomputer zu erforschen und zu entwickeln". Die Uni Innsbruck betont ebenfalls, sie betreibe hier Grundlagenforschung, und: "Die Entscheidung darüber, wie die Ergebnisse sinnvoll genutzt werden, obliegt der Gesellschaft." Auch eine Sprecherin der Uni Wien sagt: "Die Forschungsergebnisse sind von zivilem, allgemeinem Nutzen."