Wien. Seit 2009 haben österreichische Universitäten sowie die Akademie der Wissenschaften (ÖAW) Forschungsgelder in der Höhe von 8,8 Millionen Euro vom US-Verteidigungsministerium erhalten, wie die "Wiener Zeitung" in dieser Woche berichtete. Ein Großteil der Gelder floss an die Brustkrebsforschung des Genetikers Josef Penninger. Er hatte 2012 den vom Pentagon vergebenen "Innovator Award" erhalten, der mit 5,5 Millionen Euro dotiert war - ein Riesenerfolg für den anerkannten Wissenschafter.

Aber, und das ist die andere Seite, es ist per se heikel, wenn Forschung an österreichischen Universitäten aus Militärbudgets anderer Staaten finanziert wird. Welches Interesse hat das Pentagon an Grundlagenforschung in Österreich? Könnten diese Innovationen militärisch genutzt werden? Die Grüne Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer will das Thema nach den Berichten in die politische Debatte bringen. "Wie umgehen mit Dual Use?", fragt sie auf ihrem Blog.

Dual Use, also die mögliche Nutzung eines Guts oder von Forschung in ziviler und militärischer Hinsicht, ist nicht nur in Österreich ein Diskussionsthema, sondern auch in Deutschland, wo ebenfalls Mittel aus dem Pentagon an Unis gehen. "Jeder, der sich in der internationalen Forschungsförderung auskennt, weiß, dass in vielen westlichen Ländern ein wesentlicher Teil der frei verfügbaren Grundlagenforschung aus Forschungsfonds des Militärs finanziert wird", schrieb die Universität für Bodenkultur an die "Wiener Zeitung".

Fortschritte in der Medizin

Tatsächlich gibt es viele Berührungspunkte zwischen militärischer und ziviler Forschung - und das seit Jahrhunderten. So hatte Ende des 18. Jahrhunderts Napoleon Bonaparte eine Art Forschungspreis für ein Verfahren ausgelobt, um Essen haltbar und seine Soldaten nicht von Plünderungen abhängig zu machen.

Der Konditor Nicolas Appert erhielt den Preis, als er durch das Abkochen und luftdicht Verpacken von Speisen eine funktionierende Konservierungsmethode entdeckte. Aus ihr ging wenig später die Konservendose hervor. Auch ein anderes Verfahren, zur Haltbarmachung von Lebensmitteln, die Gefriertrocknung, war ursprünglich für militärische Zwecke erfunden worden, um Medizin während des Zweiten Weltkriegs nach Europa zu schicken. Der Zweite Weltkrieg verhalf auch dem Penicillin zu seinem Durchbruch. Es war zwar bereits 1938 entdeckt worden, aber erst durch die vielen Kriegsverletzten wurde die Forschung in den USA intensiviert und Penicillin als Medikament hergestellt.

Während in der Medizin der zivile Nutzen auf der Hand liegt, ist dies in anderen Bereichen militärischer oder von Militärs bezahlter Forschung nicht immer so eindeutig. Wobei historisch gesehen die Militärs ohnehin lieber selbst forschten. Schließlich hätten sie bei Entdeckungen möglicherweise entscheidende Vorteile. Zweitens ging es den Militärs immer auch darum, die komplette Kontrolle zu behalten.

Das Ende des Kalten Krieges hat die Militärausgaben für die Forschung schrumpfen lassen, gleichzeitig stiegen die Ausgaben für Hightech-Produkte durch gigantische Konzerne. Deshalb läuft das Rad nun auch rückwärts. Nicht nur militärische Erfindungen schaffen den Weg ins Zivile, sondern auch Innovationen der Unterhaltungs- und IT-Konzerne werden von großen Militärs verwendet. So testete die US-Army bereits die Datenbrille Google Glass, aus hunderten Playstations bastelte die Air Force zudem einen Supercomputer.

Smartphone für Soldaten

Wie verschränkt zivile und militärische Forschung längst sind, zeigen vor allem die Innovationssprünge der jüngeren Vergangenheit. So geht das Internet auf ein militärisches Projekt Ende der
60er Jahre zurück, und auch Navigationssatellitensysteme sowie die Digitalfotografie dienten zunächst ausschließlich militärischen Zwecken. Schon Ende der 40er Jahre hatten Sowjets und US-Amerikaner Satelliten zu Spionagezwecke ins All geschickt, doch die Fotos konnten erst Wochen später entwickelt werden. Sie wurden mit Spähsonden mit kleinen Fallschirmen abgeworfen, viele Filme gingen überhaupt verloren. Die USA verpassten so etwa 1967 den Sechstagekrieg.

Heute finden sich GPS, Digitalkameras und Internetzugang auf allen Smartphones, die in rauen Mengen von Militärs weltweit eingekauft werden. Darauf findet sich allerlei Nützliches für Soldaten, bis hin zu Übersetzungsprogrammen bei Auslandseinsätzen und eigenen Apps zur Wahl der richtigen Munition.