Die Ethikkommission der Akademie der Wissenschaften hat sich nun des Themas "Dual Use" angenommen und erarbeitet gemeinsam mit dem Wissenschaftsfonds FWF und der Christian Doppler Gesellschaft allgemeine Richtlinien betreffend der Förderung von Forschungsprojekten.

Einzelne Projekte zu prüfen, liege nicht in der Kompetenz der ÖAW, betont Helmut Denk, Vorsitzender der Ethikkommission: "Unsere Aufgabe ist es, die wissenschaftliche Integrität zu prüfen, Stellung zu nehmen und allgemeine Richtlinien zu erstellen." Auch Uwe Sleytr ist Teil der Ethikkommission - ist er aufgrund seines Forschungsprojektes befangen? "Das wäre er, wenn sein Projekt an der ÖAW angesiedelt wäre", sagt Denk. Da das Projekt aber an der Boku läuft, könne er Teil der Kommission an der ÖAW bleiben - auch weil diese sich ohnehin nicht mit einzelnen Projekten befasst.

Die Grünen fragen in ihrer parlamentarischen Anfrage auch nach Aufgaben und Richtlinien für Mitglieder des Kontrollgremiums an der ÖAW. "Die Freiheit von Wissenschaft und Forschung darf keinesfalls gefährdet werden", betont Sigrid Maurer, Wissenschaftssprecherin der Grünen, "weder durch die Abhängigkeit von Forscherinnen und Forscher, noch von ihren Geldgebern, noch durch rigorose Gesetze, die festlegen, was beforscht werden darf und was nicht."

Drittmittel-Projekte gehören an Hochschulen mittlerweile zum Alltag. Kürzlich wurde das Universitätsgesetz novelliert. "Damit wurden Unklarheiten für die Universitäten aufgrund des neuen Korruptionsstrafrechts bei Drittmitteln und Spenden, ausgeräumt", sagt ÖVP-Wissenschaftssprecher Karlheinz Töchterle. Er geht daher davon aus, dass die derzeitige Rechtslage den Anfordernissen der Transparenz gerecht wird. "Sollten sich neue Fragen stellen oder sollte sich weiterer Adaptierungsbedarf ergeben, könne dies aber natürlich diskutiert werden", so Töchterle.

Auch Maurer fordert eine "breite, gesellschaftliche Diskussion. Die Öffentlichkeit muss Bescheid wissen, was an den Unis passiert. Und die erste Voraussetzung dafür ist größtmögliche Transparenz. Die muss Minister Mitterlehner schaffen." Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass die Debatte so bald nicht abreißen wird: An der Boku finden sich auch Befürworter einer Zivilklausel, womit sich die Uni auf friedliche Forschung verpflichten würde. "Es ist ein Prozess. Es sind weitere Veranstaltungen geplant", heißt es seitens der Boku-Hochschülerschaft.