Kaing Guek Eav alias Duch ist ein penibler Charakter: Mit schön gebügelter Kleidung, einer perfekt gekämmten Frisur und in aufrechter Haltung nahm der 67-Jährige stets auf der Anklagebank des Sondertribunals zu den Verbrechen der Roten Khmer in Kambodscha Platz.

Mit der ihm eigenen Akribie und Genauigkeit hatte der ehemalige Mathematiklehrer in den 1970er Jahren einen Massenmord dirigiert: Während des Herrschaft der Roten Khmer leitete Duch das berüchtigte Gefängnis Tuol Sleng, in dem mehr 17.000 Menschen zu Tode gefoltert wurden. Den Häftlingen wurden etwa die Genitalien unter Starkstrom gesetzt, Daumenschrauben angelegt oder die Fußnägel ausgerissen. Hatte man den vermeintlichen Regimegegnern irgendein Geständnis abgepresst, wurden sie liquidiert. Der Folterchef Duch hat die Geschehnisse genauestens dokumentiert. Nun wurde er zu 35 Jahren Haft verurteilt, von denen er noch 19 Jahre absitzen muss.

Der aus einer armen, bäuerlichen Familie stammende Duch war bereits in seiner Jugend ein überzeugter Kommunist. 1968 wurde der politische Agitator selbst verhaftet und gefoltert. Mit der Machtergreifung der Roten Khmer 1975 wurde der ehemalige Gefangene dann zum Gefängnisleiter. Zeugen beschrieben ihn als einen Technokraten des Mordens, der keinerlei Empathie für seine Opfer zeigte.

Nach dem Sturz der Roten Khmer 1979 tauchte Duch unter. Doch 1999 entdeckte ihn der irische Fotograf Nic Dunlop. Duch arbeitete unter falschen Namen für eine amerikanische Hilfsorganisation und war mittlerweile zum Christentum konvertiert.

Während seines Prozesses gab sich Duch dann reuig. Er berief sich auf Befehlsnotstand und beschrieb sich als ein kleines Rädchen im Getriebe der Roten Khmer. Doch viele Angehörige seiner Opfer nahmen Duch die Reue nicht ab. Sie sahen sich bestätigt, als er am Ende des Prozesses plötzlich einen Freispruch forderte.