Elizabeth Warren lebt den Amerikanischen Traum: von der Kellnerin zur Senatorin. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, zieht die Demokratin im Jänner für den Bundesstaat Massachusetts in den Kongress ein. Sie hat sich bei den Wahlen diese Woche klar mit 54 zu 46 Prozent gegen Scott Brown durchgesetzt. Der Republikaner hatte den Sitz nach dem Tod der demokratischen Ikone Edward "Ted" Kennedy im Jahre 2009 ergattert, die diesen 47 Jahre lang innegehabt hatte. Als sie zwölf Jahre alt war, erlitt ihr Vater - ein Hausmeister - einen Schlaganfall. Arztrechnungen mussten auf einmal beglichen werden, während dem Vater das Gehalt gekürzt wurde, weil er nicht mehr in demselben Maße wie vorher einsetzbar war. Das auf Kredit gekaufte Auto wurde beschlagnahmt. Die Mutter fand eine Anstellung bei einem Katalogversand, was allerdings nicht ausreichte, um die Familie über Wasser zu halten. Elizabeth begann daher in einem Restaurant als Kellnerin zu arbeiten, um die Finanzen aufzubessern. Trotzdem schaffte es sie gleichzeitig, sich in der Schule mehr als nur zu bewähren. Mit 16 fiel sie als Meisterin der Diskussion auf, was ihr ein Stipendium für das Debattier-Team der George Washington Universität einbrachte. Sie schloss erst ein Studium in Logopädie ab, dann in Rechtswissenschaften und wurde Konsumentenanwältin. Ihre Leistungen machten schon bald die Eliteuniversität Harvard auf sie aufmerksam, die sie als Professorin einstellte.

Alexander U. Mathé
Alexander U. Mathé

Der Wahlkampf um den Senatssitz in Massachusetts war mit 70 Millionen Dollar einer der teuersten in der Geschichte der USA. Warrens Sitz war von immenser Wichtigkeit für die Demokraten, um ihre Mehrheit in der ersten Kammer des Kongresses zu halten, weshalb 38 Millionen Dollar von außerhalb des Bundesstaats in die Wahlkampfkassen flossen. Warren ist der erklärte Liebling des linken Flügels der Partei und als Kritikerin von großen Banken bekannt. Auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten im August trat sie als Star-Rednerin auf. Diese Gelegenheit nutzte sie gleich, um ihre Einstellung zu plakatieren: "Die Geschäftsführer der Wall Street - dieselben, die unsere Wirtschaft ruiniert und Millionen Jobs vernichtet haben - schleichen noch immer ohne Genierer um den Kongress herum, verlangen Gefälligkeiten und tun so, als ob wir ihnen danken sollten." Die Aussicht, dass sie in den Bankenausschuss des Senats einziehen wird, treibt den Geschäftsführern der Finanzinstitute wohl schon jetzt die Schweißperlen auf die Stirn.