(rm) Am 7. April hatte er die Vorwahlen der Demokratischen Partei (PD) für die Bürgermeisterkandidatur in der italienischen Hauptstadt mit einem 20-Prozent-Abstand zum Zweitgereihten klar gewonnen. Jetzt tritt der Spitzenmediziner Ignazio Marino in der Stichwahl am 9. und 10. Juni gegen Amtsinhaber Gianni Alemanno an, den er im ersten Wahlgang mit 42,6 gegen 30,3 Prozent deutlich überholt hat.

Der am 10. März 1955 als Sohn einer Schweizer Mutter und eines sizilianischen Vaters geborene Marino, ein weltweit anerkannter Spezialist für Lebertransplantationen, war im Wahlkampf Ziel von Tierversuchsgegnern - sein rechter Gegenkandidat Alemanno hatte sich prompt mit einem Kätzchen im Arm ablichten lassen.

Marino hatte 1979 an der Katholischen Universität Sacro Cuore in Rom in Medizin promoviert und sich anschließend an der Universität Catania und später wieder in Rom auf Chirurgie und Gefäßchirurgie spezialisiert. Internationale Erfahrungen sammelte er bei seinen Tätigkeiten in den Transplantationszentren der Universitäten in Cambridge, Pittsburgh und Philadelphia und gründete 1999 in Palermo das erste Leber-Transplantationszentrum Siziliens.

1992 und 1993 hatte Marino dem Ärzteteam angehört, das einem 35-jährigen sieropositiven Mann und einem 62-jährigen Patienten, die sich im Endstadium einer Leberzirrhose befanden, Pavianlebern eingepflanzt hatte. Der jüngere Patient überlebte den Eingriff um 70, der ältere um 26 Tage - allerdings ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

2001 führte Marino die erste Lebertransplantation an einem sieropositiven Mann in Italien durch, der zuvor überall abgewiesen worden war. Der Mann, der einen Teil der Leber seines Vaters erhielt, lebt noch heute und ist gesund. Der Eingriff, der heute regelmäßig durchgeführt wird, sorgte seinerzeit für heftige Polemiken. Erst drei Jahre später gab eine eigens zur Prüfung dieser Angelegenheit eingerichtete Kommission grünes Licht für diese Art von Eingriff.

Seine politische Karriere startete Marino 2006 als unabhängiger Kandidat auf der Liste der Linksdemokraten für den Senat, wo er Vorsitzender der Hygiene und Gesundheitskommission wurde. 2008 und zuletzt im Februar 2013 wurde er als Kandidat der Demokratischen Partei wiedergewählt. Wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl legte er seinen Senatssitz zurück.

2009 war Marino zu den Vorwahlen für den Vorsitz der PD angetreten und hatte mit rund 15 Prozent hinter Pier Luigi Bersani und Dario Franceschini den dritten Rang belegt.

Ignazio Marino, der sich als bekennender Katholik bezeichnet, hat im Jänner 2009 einen Appell im Internet veröffentlicht, in dem er ein Gesetz für ein biologisches Testament forderte. Damit soll sichergestellt werden, dass bei Patienten im Endstadium auf deren Wunsch die Hydrierung und die künstliche Ernährung eingestellt werden. Marino berief sich bei dabei auf einen Brief Kardinal Jean Marie Villots aus dem Jahr 1970 an die internationale Föderation katholischer Ärzte.

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