Washington/Wien. Nun ist das Kabinett komplett. Donald Trump hat gestern, Donnerstag, den letzten Posten seines Wunsch-Regierungsteams (einzelne Mitglieder müssen noch vom Senat bestätigt werden) besetzt: Der ehemalige Gouverneur von Georgia, Sonny Perdue, soll Landwirtschaftsminister werden, hieß es aus Trumps Umfeld. Der 70-Jährige war zuletzt im Agro-Business tätig. Perdue passt damit sehr gut in das bisherige Auswahlschema von Trump: Er ist männlich, weiß und konservativ.

Das künftige Kabinett ist ein Abbild von Trumps Herkunft und Biographie. Es finden sich darin viele Ex-Militärs, wie die ehemaligen Generäle James Mattis (Verteidigung) und John Kelly (Heimatschutz). Trump hat früher selbst eine Militärschule besucht - auf die er angeblich von seinem Vater geschickt wurde, damit er abhärtet.

Und dann hat der Immobilien-Tycoon, der heute, Freitag, in Washington angelobt wird, viele Konzernbosse berufen: Der designierte Außenminister Rex Tillerson war Chef von ExxonMobil. Andrew Puzder, der als Arbeitsminister vorgesehen ist, leitete einen Fastfood-Konzern. Trump suchte sich keine Berufspolitiker aus, sondern sogenannte "Dealmaker", die wissen, wie man ein gutes Geschäft abschließt. "Dabei spiegelt sich sein Verständnis von Politik wider", sagt der Politologe Matthias Enders von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. "Trump will offenbar Politik machen, wie er sein Unternehmen führt."

Ausgerechnet Trump, der sich als Rächer der (weißen) Arbeiterschaft inszeniert hat, hat ein Kabinett der Superreichen geschmiedet. Das Vermögen von Tillerson etwa wird auf 150 Millionen Dollar geschätzt, das des künftigen Finanzministers Steve Mnuchin beträgt ebenfalls mehrere hundert Millionen Dollar. Wie viele es genau sind, ist noch offen - beim Hearing im US-Kongress stellte sich heraus, dass Mnuchin es verabsäumt hatte, Vermögenswerte in Höhe von 100 Millionen Dollar offenzulegen.

Mnuchin war früher Investmentbanker bei Goldman Sachs und gründete dann einen Hedgefonds. Ist so jemand, der als Finanzminister eine entscheidende Position einnehmen wird, ein Vertreter der Arbeiterschaft? Oder Arbeitsminister Puzder, der kein Freund vom Mindestlohn ist?

Was scheinbar ein Widerspruch ist, spiegelt laut Enders erneut Trumps Haltung wider: Er glaubt offenbar an den sogenannten "Trickle-down-Effekt". Sprich: Wenn es oben den Konzernen und Wirtschaftsbossen gut geht, dann sickert das auch unten zu den Arbeitern durch.