Auch in Paris machen Demonstranten ihren Unmut Kund. - © AFP
Auch in Paris machen Demonstranten ihren Unmut Kund. - © AFP

Washington. Millionen demonstrieren weltweit gegen den Retro-Kurs von Donald Trump. Noch nie sah sich ein US-Präsident am ersten Tag seiner Amtszeit mit so massiven Protesten konfrontiert. Weltweit gehen Frauen auf die Straße, um Menschenrechte einzufordern. In Washington protestieren rund 500.000 Amerikanerinnen und Amerikaner aus dem ganzen Land, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Zum Vergleich: Trumps Angelobung am Freitag zog rund 250.000 Zuseher an.

Die Proteste richten sich gegen Trumps Politik sowie seine Verbalangriffe auf Minderheiten und Frauen. Zum Auftakt waren bereits in Australien und Neuseeland Tausende Demonstrantinnen auf die Straße gegangen. Geplant sind insgesamt mehr als 670 solcher "Schwesternmärsche". Auch in Wien versammelten sich am Samstag laut Polizei rund 2.500 Menschen vor der Karlskirche und zogen zum Platz der Menschenrechte vor dem Museumsquartier.

Prominente Redner von Michael Moore bis Angela Davis

Trump hatte sein Amt am Freitag angetreten - begleitet von zum Teil gewaltsamen Protesten. Die für Samstag geplante Großkundgebung in der US-Hauptstadt wird nach Angaben der Organisatoren von umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Die Organisatoren rechneten mit mindestens 200.000 Teilnehmern und damit einer der größten Kundgebungen, die das Land in den vergangenen Jahren erlebt hat.

Der von Frauenrechtsaktivisten initiierte Protest richtet sich gegen Frauenfeindlichkeit, Gewalt, Rassismus, Homophobie und religiöse Intoleranz. Rund 50 Redner haben sich angesagt, darunter auch eine Reihe von Prominenten wie die Schauspielerinnen Ashley Judd und Scarlett Johansson, der Regisseur Michael Moore, die Frauenrechtlerin Gloria Steinem sowie Bürgerrechtlerin Angela Davis. Auch in zahlreichen anderen Städten des Landes waren Demonstrationen gegen Trump geplant.

Verzicht auf "Phase des Wohlwollens"

Die USA sind nach dem erbittert geführten Wahlkampf zwischen dem Republikaner Trump und seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton tief gespalten. Die Demonstration in Washington ist unter anderem ungewöhnlich, weil die Zeit direkt nach der Amtseinführung als Phase gilt, in der dem neuen Präsidenten eher Wohlwollen entgegengebracht wird. Trumps Umfragewerte sind aber derzeit so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr bei einem Amtsantritt eines US-Präsidenten.

Die Wahl gewonnen hatte der 70-jährige Immobilien-Mogul nicht zuletzt mit den Stimmen weißer Männer aus der Arbeiterschicht, die sich abgehängt und von Ex-Präsident Barack Obamas Demokraten nicht repräsentiert fühlen. Trump begeistert seine Anhänger mit seiner Doktrin "America First" ("Amerika zuerst"), die er auch in den Mittelpunkt seiner Antrittsrede stellte. Sie sorgt aber in Politik und Wirtschaft weltweit ebenso für Verunsicherung wie Trumps Pläne für den Bau einer Mauer zu Mexiko und seine Kritik an Freihandelabkommen oder der NATO. Anders als seine Vorgänger schlägt Trump nicht nur kritische Töne gegenüber dem westlichen Verteidigungsbündnis an, sondern zeigt sich auch offener gegenüber der Regierung in Moskau.

Putin plant Treffen mit Trump

Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte sich grundsätzlich zu einem Treffen mit seinem neuen US-Kollegen bereit. Damit wäre Putin einer der ersten internationalen Politiker, die mit Trump zu Unterredungen zusammenkommen. Die Vorbereitungen würden aber einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow der BBC laut der Nachrichtenagentur Tass vom Samstag. "Das wird nicht in den kommenden Wochen sein. Lassen Sie uns das Beste hoffen - dass das Treffen in den kommenden Monaten passieren wird." Die Beziehungen zwischen den USA und Russland sind auf einem Tiefpunkt. Gründe sind unter anderem die Kriege in Syrien und der Ukraine, wo beide Länder gegnerische Konfliktparteien unterstützen. Die US-Geheimdienste werfen Russland vor, versucht zu haben, den US-Wahlkampf zugunsten Trumps zu beeinflussen.