Washington. Und plötzlich bot sich ein völlig anderes Bild. Noch am Samstag hatte Sean Spicer die Medien der Lüge geziehen und keinerlei Fragen beantwortet. Am Montagabend mitteleuropäischer Zeit zeigte sich der Sprecher des frisch inaugurierten US-Präsidenten Donald Trump dann wesentlich versöhnlicher. Eineinviertel Stunden lang beantwortete er die Fragen der Journalisten – und gab sich gar selbstironisch. Sein Vorgänger als Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, sei ja sehr beliebt unter den Journalisten gewesen. "Nun ja, der Titel bleibt ihm sicher erhalten", sagte Spicer in Anspielung an den Vorfall vom Samstag. Direkt angesprochen auf die von ihm ausgelöste Diskussion um den Umgang mit der Wahrheit in der Trump-Administration, versprach er, man wolle "ehrlich zu den Amerikanern sein. Wir wollen unser Bestes tun, und wenn wir einen Fehler machen, werden ihn korrigieren."

Spicer hatte am Samstag erklärt, bei der Vereidigung Trumps am Freitag habe es das "größte Publikum, das je bei einer Vereidigung dabei war," gegeben – "Punkt". Direkt angesprochen auf Fotos, die die National Mall in Washington wesentlich schlechter besucht zeigten als bei Barack Obamas Amtseinführung 2009 legte Trumps Beraterin Kellyanne Conway nach: Sie sprach auf NBC von "alternativen Fakten", die Spicer gezeigt habe. Kritiker sprechen von Spicer als Trumps neuem "Propagandaminister".

Auch am Montag blieb Spicer dabei, dass die Angelobung jene mit den meisten Zusehern in der Geschichte gewesen sei. Nachsatz: Es hätten ja auch Millionen Menschen über das Internet und den Fernseher die Ereignisse verfolgt. Das hatte er am Samstag freilich nicht dazu gesagt.

Mit seinem freundlichen Auftreten konnte Spicer aber nicht über die umstrittenen Aktionen hinwegtäuschen, die der 45. US-Präsident an seinem dritten (und ersten vollen) Arbeitstag am Montag setzte. Er unterzeichnete einen ganzen Stapel an Dekreten, unter anderem zur lange angekündigten Aufkündigung des Abkommens über die Transpazifische Partnerschaft (TPP). "Diese Art multinationaler Übereinkommen ist nicht in unserem besten Interesse", erläuterte Spicer den Rücktritt aus dem mit elf anderen Staaten (Kanada, Japan, Australien, Neuseeland, Mexiko, Chile, Peru, Vietnam, Malaysia, Brunei und Singapur) bereits unterzeichneten Abkommen. Trump werde stattdessen versuchen, mit allen Staaten bilaterale Handelsabkommen zu schließen.